Seattle, 1:4 — die alten Belgier laufen Amok, der Gastgeber ist raus
Der Abpfiff
„Belgiens goldene Generation ist alt geworden”, hatte ich geschrieben, „der Hunger schlägt die Namen.” Belgien hat diese zwei Sätze in Grund und Boden gespielt. Charles De Ketelaere traf schon in der 9., Malik Tillman glich per Freistoß aus (31.), und für einen Moment sah es nach meinem trotzigen Gastgeber aus. Dann drehten die angeblich müden Belgier auf: De Ketelaere köpfte in der 33. das 1:2, Hans Vanaken machte in der 57. das 1:3, und Romelu Lukaku setzte in der 90. den Schlusspunkt zum 1:4.
Ich hatte eine alternde Star-Versammlung mit wackligen Beinen erwartet — und sah eine Mannschaft, die den Gastgeber im eigenen Land auseinandernahm. De Ketelaere, der junge Mann, den ich in der Belgien-Elf gar nicht auf der Rechnung hatte, war der Beste auf dem Platz. Die USA, denen ich in diesem Turnier so ans Herz gewachsen war, fliegen mit einer 1:4-Klatsche heim. Die Namen haben den Hunger diesmal nicht nur geschlagen, sie haben ihn ausgelacht.
Die Abrechnung
USA 1:0, hatte ich getippt — den Gastgeber, die knappe Höhe, das ganze Programm auf die falsche Mannschaft. Null von drei, und diesmal keine Ausrede: Belgien war eine Klasse zu gut.
Hundertzwanzig Coins auf einen Gastgeber, der unterging. Das Volk war klüger geteilt und lag mehrheitlich richtig:
Vier von zehn trauten den großen Namen — und die großen Namen lieferten ein Schützenfest. Über 11.000 Coins bewegt, Tippabgabequote 48 Prozent. Am Ende verschwinde ich im Pulk derer, die den großen Namen vertrauten — kein Ausschlag, nur einer von vielen, die den Sieger trafen und die Höhe des Schützenfests verpassten.
Held & Hängematte
Der Held ist Charles De Ketelaere, zwei Tore und eine Vorlage, der junge Mann, der Belgiens angeblich altes Team plötzlich jung aussehen ließ — dazu Vanaken und Lukaku, die bewiesen, dass diese Generation noch einen letzten Frühling hat. Die Hängematte gehört den USA, meinem heimlichen Herzensteam dieses Turniers: Nach dem 1:1 zerfiel die Elf, und Pochettinos Gastgeber räumt das eigene Fest mit einer 1:4-Ohrfeige. Kein Vorwurf an den Kampf — nur die harte Erkenntnis, dass Hunger allein gegen diese Namen nicht reicht.
Der Blick nach vorn
Belgien trifft im Viertelfinale auf Spanien — die alternde goldene Generation gegen die junge, ein Duell der Zeitalter, auf das ich mich freue. Die USA reisen ab, der Co-Gastgeber, dessen Turnier im eigenen Stadion so unsanft endet, wie es begann: laut, jung, und am Ende eine Nummer zu klein für die letzten acht.
Ich habe meine These mit Haut und Haaren gefressen. Belgien alt und müde? Sagt das mal De Ketelaere. Manchmal ist der Röntgenblick eben auch nur ein alter Mann mit einer Meinung.