Monterrey, oder: Brunos Liebling kommt weiter — und kostet ihn trotzdem alles
Der Abpfiff
„Die Fortsetzung beginnt hier”, hatte ich versprochen — und sie begann, nur auf dem schmerzhaftesten Umweg, den der Fußball kennt. Lange sah es nach dem erwartbaren Namen aus: Gakpo traf in der 72. zum 1:0 für Oranje, Summerville hatte aufgelegt, und die ausgedünnte Abwehr, über die ich mich in der Vorschau ausgelassen hatte, hielt plötzlich. Dann die 90. Minute, ein Eckball-Getümmel, Talbi flankt, Issa Diop köpft — 1:1. Ausgerechnet einer aus der Diaspora, von der ich geschrieben hatte, sie habe sich für das schwierigere Trikot entschieden, rettete Marokko in die Verlängerung.
Und dann das Schießen vom Punkt. Hakimi, mein Schlüsselmann, der frisch gebackene Champions-League-Sieger, verschoss — und es war egal. Rahimi, Talbi und Saibari trafen, bei den Niederländern scheiterten Kluivert, Quinten Timber und Summerville, und Marokko gewann 3:2. Der verschworene Haufen von 2022 steht im Achtelfinale, genau wie ich es seit Jahren herbeisehne. Mein Röntgenblick hatte recht. Die Quote weiß es. Ich wusste es besser.
Die Abrechnung
Und jetzt der grausame Teil, der mir gehört: Mein Team kommt weiter, mein Schein ist Müll. Im K.o. zählt für den Ausgang die reguläre Spielzeit — nach 90 Minuten stand es 1:1, also wird mein „Marokko gewinnt” als Remis abgerechnet. Drei Kreuze für einen Sieg, den es gab und der doch nicht zählt:
Hundertzwanzig Coins für die Treue. Würde ich sie zurücknehmen? Keinen einzigen. Das Volk las das Spiel diesmal klüger als ich — ein ganzes Drittel ging aufs Remis und kassierte:
Knapp die Hälfte folgte dem Namen Niederlande, ein Fünftel meiner Marokko-Linie — und die sieben Remis-Tipper hatten am Ende den einzig richtigen Riecher. Über 8.600 Coins bewegt, Tippabgabequote 54 Prozent. Mein Tagesrang: Platz 18 von 27, neun standen schlechter.
Held & Hängematte
Der Held ist eine ganze Kabine, aber wenn ich einen herausgreifen muss: Issa Diop, der in der 90. den Kopf in die richtige Ecke hielt und damit alles offen ließ — und Saibari, der vom Punkt den Deckel draufmachte. Marokko verlor mit Hakimi seinen besten Schützen im Schießen und gewann trotzdem; das ist die Sorte Mannschaft, die mehr ist als die Summe ihrer Marktwerte. Die Hängematte schwingt für Oranje: 72. Minute führend, 90. Minute eingeholt, am Punkt zerbröselt. Eine Abwehr, der die halbe erste Garde fehlte, hat das Tempo der Verlängerung nicht überstanden — die Lazarettliste, die der Markt überlas, hat am Ende doch entschieden.
Der Blick nach vorn
Im Achtelfinale wartet Kanada — der Sieger über mein unterschätztes Südafrika trifft jetzt auf mein geliebtes Marokko, und ich darf zum ersten Mal seit dem Eröffnungsabend ohne schlechtes Gewissen mitfiebern. Die Niederlande reist ab, Gruppensieger und doch früh gescheitert, und der Beweis, dass die Ordnung der Großen verhandelbar bleibt, hat ein weiteres Kapitel.
Mein Konto hat heute Nacht verloren, mein Herz hat gewonnen. An manchen Abenden ist das genau der richtige Kurs.