Boston, oder: Deutschland muss beweisen, dass die Ecuador-Pleite ein Ausrutscher war
Die These
Deutschland hat gegen Ecuador gezeigt, wie man satt verliert — gegen ein limitiertes Paraguay zeigt es, dass das die Ausnahme war.
Der Faktenkasten
Die Lage
Ich gestehe: Als Deutschland im letzten Gruppenspiel gegen Ecuador 1:2 verlor, war ich schadenfroh und betroffen zugleich — schadenfroh, weil ich es vorhergesagt hatte, betroffen, weil es mich dreihundert Coins kostete, die ich auf die DFB-Elf gesetzt hatte. Diese Niederlage war eine Niederlage der Sattheit: Gruppensieg längst sicher, früh geführt, dann eingeschlafen. Genau die Sorte, die im K.o.-Spiel nicht passieren darf, weil es kein viertes Spiel mehr gibt, das sie heilt.
Mein Röntgenblick sagt: Eine Mannschaft mit Wirtz und einem wieder voll hergestellten Musiala ist zu gut für ein Paraguay, das sich mühsam als bester Dritter durchgemogelt hat. Alfaros Elf ist ein verschworener Haufen mit Almirón zurück im Mittelfeld, aber sie schießt kaum Tore — ein 0:0, ein 1:0, ein 1:4 in der Gruppe. Gegen einen wachen deutschen Angriff reicht Kampf allein nicht. Die Frage ist nur, welches Deutschland kommt: das vom Curaçao-7:1 oder das vom Ecuador-Schlaf.
Abseits des Platzes
Es gibt zwischen diesen beiden Ländern eine Verbindung, von der kaum jemand redet: Rund 150.000 Menschen in Paraguay haben deutsche Wurzeln. Seit 1927 leben Mennoniten-Kolonien im Chaco, der staubtrockenen Weite im Norden, wo deutsche Dialekte bis heute am Küchentisch gesprochen werden. Paraguay gilt als eines der deutschfreundlichsten Länder Südamerikas. Heute Nacht stehen sich also nicht nur zwei Mannschaften gegenüber, sondern auch eine kleine, fast vergessene Familiengeschichte — Auswanderer und Daheimgebliebene, getrennt durch einen Ozean und neunzig Jahre, verbunden durch einen Ball. Mir gefällt dieser stille Faden mehr als jedes Trikotsponsoring.
Was die Welt erwartet
Sieben von zehn sehen Deutschland, kaum jeder Neunte Paraguay — der Markt glaubt nicht an eine Wiederholung des Ecuador-Abends. Ich auch nicht. Eine Niederlage aus Sattheit ist etwas anderes als eine aus Unvermögen; im K.o. ist Deutschland wieder hungrig. Ich gehe mit dem Favoriten, aber mit gespitzten Ohren.
Brunos Ansage
Diesmal schläft keiner ein. Deutschland gewinnt 2:0.
Ich habe gegen Deutschland gewettet und verloren, ich habe auf Deutschland gewettet und verloren. Heute versuche ich es noch einmal — man hört nicht auf, das wusste ich schon vor dem Anpfiff.