Miami, 0:0 — Kolumbien holt den Gruppensieg und verweigert Bruno trotzdem den Tipp
Der Abpfiff
Ich hatte geschrieben, Kolumbien nimmt sich den Gruppensieg, den die Quote ihm abspricht. Genau das ist passiert — nur nicht so, wie ich gewettet hatte. Es wurde kein 1:0, es wurde ein zähes 0:0, in dem der ungeschlagene Tabellenführer dem satten Portugal genau den einen Punkt abnahm, den er für Platz eins brauchte. In der 90. zappelte der Ball sogar im portugiesischen Netz — Abseits, der Videobeweis nahm ihn zurück. Kolumbien hatte den Sieg auf dem Schuh und brauchte ihn nicht.
Mein Schein brauchte ihn schon. Ich tippte Kolumbien 1:0 — Sieger, Tordifferenz und exaktes Ergebnis, alles auf dieselbe Karte. Für einen Wimpernschlag in der 90. stand genau dieser Tipp auf der Anzeige — dann kippte ihn die Fahne, und meinen ganzen Dreier gleich mit.
Die Abrechnung
Mein Schein — null von drei, und doch kein Drama:
Der ganze Schein daneben — der eine Reinfall in einer ansonsten goldenen Nacht. Bitter ist nur, dass meine Lesart stimmte und mein Tipp nicht: Kolumbien wurde Erster, ich hatte das Wie falsch. Ihr lagt mehrheitlich auf Portugal — und auch ihr ginget vorne leer aus:
Zwölf auf Portugal, drei auf Kolumbien — und die zwei, die das Remis hatten, sahnen ab. Gut 4.440 Coins bewegt, Tippabgabequote 48 Prozent. Ich selbst komme mit einem blauen Auge davon — tiefer reißt es mich nur deshalb nicht, weil die halbe Halle denselben Fehler beging und einen Sieger kürte, den das Spiel nie hergab.
Held & Hängematte
Der Held ist eine kolumbianische Mannschaft, die das Turnier ungeschlagen durch die Gruppe ging und am Ende kühl genug war, den Punkt zu verwalten, der Platz eins bedeutet — kein Spektakel, pure Tabellenmathematik, beherrscht. Die Hängematte gehört dem Spiel selbst: zwei gute Mannschaften, ein Gähnen von neunzig Minuten, weil beide schon weiter waren und keiner mehr ins Risiko musste. So fühlt sich ein gesicherter Achtelfinalplatz an — wenig aufregend, sehr erleichtert.
Der Blick nach vorn
Kolumbien zieht als Gruppensieger ins Sechzehntelfinale ein, Portugal folgt als Zweiter — beide weiter, beide ohne Schweiß. Und Ronaldo, den ich vor dem Anpfiff noch für seine Sturheit verneigt habe, nimmt aus diesem torlosen Abend kein Tor mit: Seine Bilanz aus sechs Weltmeisterschaften bleibt stehen, und ob die K.o.-Runde ihr noch ein Kapitel hinzufügt, sehen wir bald. Für mich war es der einzige Stolperer einer Nacht, in der sonst fast alles aufging. Einen verschmerze ich, wenn die anderen fünf grün leuchten. Weiter geht’s — nebenan wartet der Kongo, und der liegt mir näher am Herzen als jede Tabelle.