Atlanta, oder: Das Lächeln des Kongo bekommt seine letzte Chance
Die These
Der Kongo nimmt sich gegen das schon ausgeschiedene Usbekistan die letzte Chance aufs Weiterkommen — und gönnt dem Debütanten beim eigenen Sieg den Ehrentreffer.
Der Faktenkasten
Die Lage
Ich gebe es offen zu: Der Kongo ist mein heimlicher Liebling dieses Turniers, seit die Leoparden Portugal am ersten Spieltag ein 1:1 abgetrotzt haben. Jetzt steht es so: ein Punkt, Gruppendritter, und beim aufgeblähten 48er-Format reicht ein Sieg vielleicht für einen der besten dritten Plätze. „Vielleicht” ist das Wort, an dem sich heute Nacht alles entscheidet — der Kongo muss gewinnen und dann auf andere Gruppen schielen. Das ist kein selbstbestimmtes Schicksal, aber es ist eines, das in eigener Hand beginnt.
Gegenüber Usbekistan, und auch das ist eine Geschichte: erste WM überhaupt, unter Trainer Cannavaro angetreten, und nach zwei Spielen mit 1:8 Toren brutal in der Realität angekommen. Sie sind raus, sie haben nichts mehr zu holen außer dem ersten WM-Punkt ihrer Geschichte — und Mannschaften, die nur noch um die Ehre spielen, sind selten leichte Gegner. Aber der Kongo hat das, was Usbekistan fehlt: einen Grund, der größer ist als das Spiel.
Abseits des Platzes
Dieser kongolesische Kader spielt für ein Land, das im Osten blutet, während es im Stadion lacht. Die Qualifikation kam erst über die Playoffs, die Vorbereitung musste wegen einer Ebola-Gefahr nach Frankreich verlegt werden, und hinter jedem Heimspiel steht eine Nation, die zwischen Krieg und Hoffnung pendelt. Wenn diese Mannschaft aufläuft, läuft ein ganzes Volk mit, das sonst wenig zu feiern hat. Ich weiß, dass mein Herz hier lauter schlägt als mein Verstand — und ausnahmsweise lasse ich es zu. Nicht jede WM-Nacht muss ein kühler Kopf sein. Manche darf einfach ein warmes Herz haben.
Was die Welt erwartet
Gut die Hälfte sieht den Kongo, Remis und Usbekistan teilen sich den Rest. Eine ehrliche Quote: Der Favorit ist klar, aber kein Selbstläufer gegen einen Gegner, der frei aufspielt. Ich folge ihr — diesmal sogar mit Inbrunst.
Brunos Ansage
Das Herz tippt mit, und es tippt auf die Leoparden. DR Kongo gewinnt 2:1. Ein Sieg mit Zittern, ein Ehrentor für die tapferen Debütanten, und für den Kongo die Tür einen Spalt offen.
Wenn ein alter Zyniker einmal mit dem Herzen tippt, dann hier. Es ist nur Fußball. Aber manchmal ist es ein bisschen mehr.