Seattle, 1:1 — Ägypten kommt nach 92 Jahren weiter, nur Salah und mein Schein zahlen nicht
Der Abpfiff
„Mannschaften, die nur einen Punkt brauchen, gewinnen meistens”, hatte ich geschrieben. Diesmal stimmte die Hälfte, die zählt: Ägypten brauchte den Punkt, Ägypten holte den Punkt — und zieht nach 92 Jahren und sieben erfolglosen Anläufen zum ersten Mal in die K.o.-Runde ein. Nur gewonnen hat es nicht, und genau darauf hatte ich gesetzt.
Mahmoud Saber traf früh (5.), Ramin Rezaeian glich für Iran aus (14.), und dann hielt eine geordnete ägyptische Kabine genau das, was ich ihr zugetraut hatte: das Remis. Iran hätte sogar führen können — Mehdi Taremi verschoss in der 11. einen Elfmeter, der Mann, von dem ich schrieb, er werde „irgendwann abziehen”. Er zog ab, nur vorbei. Und Salah? In der 57. ausgewechselt, ohne Tor an diesem entscheidenden Abend — sein Treffer gegen Neuseeland hatte zuvor den ersten WM-Sieg der ägyptischen Geschichte gebracht, heute überließ er das Weiterkommen der Kabine. Die 92-jährige Rechnung ist damit beglichen: Ägypten ist durch.
Die Abrechnung
Mein Schein — drei Kreuze, und kein halber Trost:
Hundertzwanzig Coins weg, null von drei — ich habe den Kabinen-Faktor richtig gelesen (Ägypten bricht nicht) und trotzdem alles verloren, weil ich aus dem Halt einen Sieg machen wollte. Ihr ward klüger und habt das Remis mitgenommen:
Sieben von euch hatten das Unentschieden, auf Iran kein einziger — das Volk roch, dass Ägypten heute nur halten musste. Gut 3.180 Coins bewegt, Tippabgabequote 50 Prozent. Mein Tagesrang: Platz 18 von 25, sieben standen schlechter.
Held & Hängematte
Der Held ist eine ägyptische Mannschaft, die 92 Jahre Geschichte mit einem einzigen kühlen Punkt umschrieb — kein Spektakel, kein Salah-Tor, nur Disziplin, als sie zählte. Das erste Achtelfinale eines Landes, das siebenmal vergeblich anklopfte. Die Hängematte gehört Iran: zwei Remis, ein verschossener Elfer, ein aberkanntes Tor im Spiel zuvor — diese Mannschaft hat das ganze Turnier lang am Rand des Erfolgs gestanden und ihn nie ganz berührt. Taremi, 59 Länderspieltore, fährt ohne WM-Treffer heim.
Der Blick nach vorn
Ägypten ist im Achtelfinale, Belgien zog im Parallelspiel mit einem Torfestival nach — Gruppe G ist entschieden, Iran und Neuseeland fliegen heim. Salah hat jetzt ein K.o.-Spiel, um den großen Moment nachzuholen — den einen Treffer, der nicht nur zählt, sondern entscheidet. Ich zähle weiter mit. Und ich rechne gleich nebenan ab, wie hoch Belgien wirklich aufgemacht hat — es hat mich Geld gekostet, dass ich es zu niedrig dachte.