Vancouver, oder: Die goldene Generation tippt immer wieder um
Die These
Belgien hat immer eine goldene Generation — und irgendwie nie den Pokal dazu; heute Nacht ist die letzte Chance, das Muster zu unterbrechen, bevor Neuseeland beweist, dass Mut allein keine Tore verhindert.
Der Faktenkasten
Die Lage
Neuseeland hat in dieser Gruppe alles gegeben und fast nichts bekommen. Ein 2:2 gegen den Iran, dann eine 1:3-Niederlage gegen Ägypten. Elijah Just hat bei seiner WM-Premiere zweimal getroffen, Chris Wood hat beide Vorlagen geliefert — beide Male Rekord für die All Whites. Und trotzdem stehen sie da mit einem Punkt und einer Tordifferenz, die ihnen das Achtelfinale verweigert. FIFA-Rang 83, niedrigster aller WM-Teilnehmer. Das ist nicht nur eine Zahl; das ist der Abstand zwischen Mut und Mittel.
Belgien hingegen hat sich durch zwei Spieltage geschleppt wie jemand, der weiß, dass er zu mehr fähig ist, und es trotzdem nicht zeigt. 1:1 gegen Ägypten, 0:0 gegen den Iran — mit zehn Mann nach Ngoys Roter Karte in der 66. Minute. De Bruyne ohne Tor, Lukaku ohne Sieg. Courtois hält, aber das allein kauft keine Punkte. Jetzt ist Nathan Ngoy gesperrt, und der Druck liegt komplett auf dem Tisch: Belgien muss gewinnen, oder das Turnier ist vorbei. Mit dem größten Kader-Marktwert dieser Gruppe. Gegen Neuseeland.
Das sollte kein enges Spiel werden. Es sei denn, Belgien tritt wieder so auf wie in den ersten beiden Spielen. Und das traue ich einer Mannschaft zu, die gegen den Iran kein einziges Tor geschossen hat. Aber irgendwann macht auch De Bruyne eine halbe Drehung, Lukaku steht an der richtigen Stelle — und dann gewinnt Klasse. Diese Mannschaft ist zu gut für das, was sie bisher gezeigt hat. Heute müssen sie es beweisen.
Abseits des Platzes
Belgien hielt die FIFA-Weltrangliste Nummer eins über drei Jahre am Stück — von 2018 bis Anfang 2022. Nur Brasilien und Spanien haben das länger durchgehalten. Das beste WM-Ergebnis: 3. Platz, zweimal (1986, 2018). Nie ein Finale. 2018 schlugen sie Brasilien im Viertelfinale 2:1 — und im Halbfinale fiel ein einziger Umtiti-Kopfball, Frankreich gewann 1:0 und danach den Titel. 2022 flog die Generation um De Bruyne, Hazard, Courtois und Lukaku in der Gruppe raus. Eden Hazard trat 2023 zurück, ohne WM-Titel, ohne Halbfinale. Lukaku spielt heute sein viertes Weltturnier und hat noch kein WM-Halbfinaltor. Das ist keine Pechsträhne. Das ist ein Muster. Belgien hat immer eine goldene Generation — und irgendwie nie den Pokal dazu. Ob das hier der letzte Tanz der alten oder der erste Anlauf der neuen goldenen ist, weiß ich nicht. Heute Nacht spielt es erst mal gegen Neuseeland. Der Rest kommt später.
Was die Welt erwartet
Der Markt gibt Belgien rund achtzig Prozent Siegwahrscheinlichkeit — das ist keine Meinung, das ist Buchführung. Neuseeland hat in zwei WM-Spielen dieses Turniers keinen Sieg geholt, Belgien hat in zwei Spielen kein einziges Gegentor kassiert. Ich sehe heute kein 1:0 und Zittern bis zur 90. Minute. Ich sehe eine Mannschaft, die endlich aufmacht, weil sie muss — und dann ist Neuseeland überfordert. Drei Tore sind nicht optimistisch, sie sind realistisch für ein Team mit De Bruyne und Lukaku, das seit zwei Spielen auf Entsperrung wartet.
Brunos Ansage
Heute gibt es keine Ausreden mehr, und keine Zeit zum Zögern. Belgien gewinnt 0:3. Die Roten Teufel öffnen heute Nacht endlich das Tor.
Belgien hat immer eine goldene Generation. Heute Nacht ist die Frage, ob diese eine endlich liefert.