Philadelphia, 0:2 — Pépé trifft doppelt, Room hält den dritten, und genau daran verdient Bruno nichts
Der Abpfiff
Ich hatte das Kader-Gefälle angekündigt, und das Kader-Gefälle kam — nur höflicher, als ich gewettet hatte. Nicolas Pépé, der Mann, den manche schon abgeschrieben hatten, traf in der 7. und in der 64., einmal mit links nach Diomande, einmal mit links nach Sangaré, und das war die Klasse, die ich Curaçao zugetraut hatte zu fehlen. 0:2 im Lincoln Financial Field, Elfenbeinküste eine Runde weiter.
Aber Eloy Room — der Torwart, den man nach diesem Turnier nicht vergessen darf — hat genau das getan, was ich vorhergesagt und trotzdem gegen ihn gewettet habe: pariert, bis nur noch zwei drinstanden. Ich hatte 0:3 getippt. Room hielt den dritten. Manchmal verliert man eine Wette, weil der Mann, den man bewundert, besser ist als die eigene Gier.
Die Abrechnung
Mein Schein — der Sieger saß, der Rest war Übermut:
Ein Häkchen, fünfzig Coins weg. Der Sechziger auf den Sieger warf magere neuneinhalb ab — die Quote auf Elfenbeinküste war so klar wie meine These, da verdient man nicht reich. Und ihr lagt mit mir: knapp zwei von drei auf die Elefanten, der Rest verteilt auf Wunschdenken.
Gut 4.350 Coins bewegt, Tippabgabequote knapp 61 Prozent. Mein Tagesrang: Platz 23 von 29, sechs standen schlechter — kein Ruhmesblatt, aber das Tor des Abends gehörte ohnehin einem von euch:
Held & Hängematte
Der Held ist Nicolas Pépé, und das schreibe ich mit einem Schmunzeln: ein Spieler, über den man zuletzt mehr Häme als Lob las, macht bei seiner WM einen Doppelpack und schiebt die Elfenbeinküste in die nächste Runde. Alte Geschichten haben manchmal ein zweites Kapitel. Die Hängematte will ich heute niemandem aufhängen — Curaçao, 150.000 Einwohner, kleinste WM-Nation, die es je gab, fliegt mit einem Punkt und ganz viel Würde nach Hause. Advocaat, 78, ging aufrecht raus, wie ich es ihm prophezeit hatte. Wer so verliert, hat nicht verloren.
Der Blick nach vorn
Elfenbeinküste ist durch, Curaçao bleibt die schönste Geschichte dieses Turniers — und Geschichten enden nicht, nur weil das letzte Spiel vorbei ist. Was diese Insel zwei Wochen lang gemacht hat, steht in keiner Tordifferenz. Den eigentlichen Knall dieser Gruppe E aber lieferte das Parallelspiel nebenan, und der hat mich deutlich teurer zu stehen gekommen. Holt euch einen Kaffee.
Es ist nur Fußball. Zum Glück.