Monterrey, oder: zwei Länder, zwei WM-Erben — und nur einer kommt weiter
Die These
Bafana Bafana kämpfen mit dem Rücken zur Wand und ohne ihre besten Männer im Mittelfeld — Südkorea braucht nur nicht zu verlieren, und diese Mannschaft weiß genau, wie das geht.
Der Faktenkasten
Die Lage
Passender Name für einen Abend, der für Südafrika auf Stahl hinausläuft: gewinnen oder raus. Bafana Bafana stehen auf einem Punkt, Tordifferenz minus zwei, und Teboho Mokoena ist gesperrt. Auch Themba Zwane fehlt — weg, Rotkarte, aus. Das ist der Unterschied zwischen einer Mannschaft, die kämpft, und einer, die mit dem Rücken zur Wand kämpft und dabei einen Arm verloren hat.
Südkorea muss nichts riskieren. Ein Punkt genügt. Son Heung-min ist seit März bei LAFC, schleppt 35 Länderspieltore in dieses Turnier und jagt den koreanischen Allzeit-Torrekord — aber heute Abend ist Son kein Draufgänger, er ist ein Mann, dem das Weiterkommen näher ist als der Ruhm. Hong Myung-bo hat das genauso im Kopf. Vier-zwei-drei-eins, Lee Kang-in zwischen den Linien, Kim Min-jae als Fels hinten, und Hwang In-beom — angeschlagen, aber im Kader — gibt das Leder irgendwann weiter nach vorne. Kein Drama. Kein Risiko. Verwaltung mit Niveau.
Das Problem für Südafrika: Ronwen Williams ist ein Weltklasse-Torhüter, Oswin Appollis kann auf dem Flügel Schaden anrichten, und Lyle Foster hat Premierleague-Kilos und Premierleague-Köpfchen. Aber ohne Mokoena fehlt dem Mittelfeld der Takt, ohne Zwane fehlt die zweite Gefahr — und Südkorea muss das alles nur halb so ernst nehmen wie seine Gegner glauben. Ich hab in diesem Turnier schon gegen Mannschaften getippt, die mauern wollten und es konnten. Die Koreaner können es.
Abseits des Platzes
Zwei Länder treffen sich heute Nacht, die dem Rest der Welt bereits gezeigt haben, dass sie Weltmeisterschaften ausrichten können. Südkorea 2002: zehn neue Stadien, strahlende K-League-Infrastruktur in Seoul, Jeonju, Ulsan — und Gwangju, das seinen Verein seither in ein kleineres Stadion nebenan verloren hat. Daegu: genutzt bis 2018, dann aufgegeben. Gemischte Bilanz. Südafrika 2010: über zwei Milliarden Dollar Baukosten, das FNB Stadium in Johannesburg als Vorzeigeprojekt mit 94.000 Plätzen, das Mbombela Stadium in Nelspruit ohne professionellen Heimklub und mit Millionen Unterhaltskosten im Jahr. Der Sowetan-Chefredakteur sagte damals: „Wir sitzen auf weißen Elefanten, die wir noch lange mit uns tragen werden.” Er hatte recht. Beide Länder fragten sich nach dem Abschlussfeuerwerk dasselbe: Was bleibt, wenn die Kameras wegziehen? Heute spielen sie gegeneinander — in Mexiko, in einem Stadion, das sie nicht gebaut haben.
Was die Welt erwartet
Der Markt gibt Südkorea gut fünfzig Prozent Siegwahrscheinlichkeit — und das bei einer Mannschaft, die einen Remis-Puffer hat und ihn nutzen wird. Ich folge der Quote, nicht weil ich faul bin, sondern weil mein Röntgenblick dasselbe sagt: eine Kabine mit Spielraum gegen eine, die seit dem ersten Spieltag auf Reserve läuft. Son entscheidet das in der zweiten Hälfte, wenn die Kräfte bei Südafrika nachlassen.
Brunos Ansage
Appollis trifft für Bafana, weil dieses Team nie einfach aufhört. Südkorea gewinnt 1:2. Es reicht trotzdem nicht.
Zwei weiße Elefanten, ein Weiterkommen. Südkorea nimmt es mit.