Mexiko-Stadt, 0:3 — die Reserve reicht, der Azteca singt, und mein Tipp bleibt eine Nummer zu klein
Der Abpfiff
„Diese mexikanische Reserve ist besser als jede Startelf, die Hašek aufbieten kann — und das entscheidet.” Es hat entschieden. Drei zu null, ohne Gegentor, mit halber Garde.
Im Estadio Azteca — Verzeihung, Banorte, aber für mich bleibt es der Azteca — ließ Aguirre rotieren und gewann trotzdem souverän. Mateo Chávez eröffnete in der 55., Julián Quiñones legte sechs Minuten später nach, Álvaro Fidalgo setzte in der 90. den Schlusspunkt. Dazwischen durfte Guillermo Ochoa für ein paar Minuten ran — die sechste WM des Mannes, gefeiert von einem Azteca, der seinen alten Helden nicht vergisst. Tschechien kämpfte, wie ich es vorhergesagt hatte, und verlor, wie ich es vorhergesagt hatte. Nur eben höher.
Die Abrechnung
Mein Schein — der Röntgenblick stimmt, der Taschenrechner nicht:
Ich hatte den Kaderunterschied auf den Punkt gelesen — und dann Tschechien ein Tor geschenkt, das nie fiel, und Mexiko zwei zu wenig zugetraut. Mein Endstand-Tipp rettet die Bilanz auf knapp siebzehn Coins Minus, mehr nicht. Sieger erkannt, Ergebnis verpasst, zum dritten Mal an diesem Abend. Das Volk war geteilt:
Nur gut die Hälfte traute der rotierten Reserve den Sieg zu — die Skeptiker unterschätzten, wie tief dieser Kader ist. Gut dreitausend Coins bewegt, Tippabgabequote 53 Prozent. Mein Rang: Platz 13 von 25, zwölf standen schlechter — die ruhigste Pleite des Abends.
Held & Hängematte
Der Held ist die mexikanische Bank: Chávez, Quiñones, Fidalgo — drei Namen, die kein Europäer auf der Rechnung hatte, drei Treffer gegen eine kämpfende Elf. Wer so tief rotiert und zu null gewinnt, hat im K.o. einen Joker zu viel für die anderen. Die Hängematte gehört Tschechien: ausgeschieden, ohne Schande, aber auch ohne Argument. Gegen Mexikos zweite Garnitur kein Land zu sehen — das sagt mehr über die Tiefe der einen als über die Mühe der anderen.
Der Blick nach vorn
Gruppe A geht an Mexiko, makellos, kein Gegentor am letzten Spieltag, Gruppensieger mit dem Selbstvertrauen eines Gastgebers, der sich erinnert, wozu er fähig ist. Dahinter hat sich nebenan einiges verschoben — dazu gleich mehr. Tschechien ist raus. Und der Azteca, mein Azteca, hat heute Nacht wieder geklungen wie früher. Allein dafür hat sich der späte Anpfiff gelohnt.