Atlanta, 1:1: Bafana trifft endlich — und ich verliere mit Vergnügen
Der Abpfiff
Seit dem Eröffnungsspiel warte ich auf das eine Bafana-Tor dieses Turniers. In Atlanta ist es gefallen. Südafrika, dezimiert um zwei gesperrte Spieler, hat getroffen und dem favorisierten Tschechien einen Punkt abgetrotzt — 1:1, ein Ergebnis, das mehr Charakter zeigt als jede Aufstellung. Der Geist von Tshabalala hat sich endlich zu Wort gemeldet, und ich habe ihn lauter bejubelt als manches Tor meiner eigenen Tipps.
Denn mein Tipp lag wieder daneben. Ich hatte Tschechien den Sieg über den geschwächten Gegner zugetraut, die Standardwucht von Souček und Krejčí — und die kam nicht durch. Am Eröffnungstag habe ich Südafrikas Kabine erst über den grünen Klee gelobt und sie dann nach zwei Roten abgeschrieben; heute hat dieselbe Kabine, dünner besetzt denn je, mir die zweite Korrektur in Folge verpasst. Recht so. Ein alter Mann darf sich irren, solange er es zugibt.
Die Abrechnung
Mein Schein. Null Häkchen — aber selten hat mir ein Nuller weniger wehgetan:
Hundertzehn Coins weg. Und ihr? Habt mehrheitlich mit mir auf Tschechien gesetzt — nur die Remis-Tippenden lagen richtig:
Knapp zwei von drei sahen den tschechischen Pflichtsieg, und der blieb aus — die sechs, die das Remis rochen, kassieren. Knapp dreieinhalbtausend Coins bewegt, Tippabgabequote 65 Prozent. In der Rechnung „Bruno gegen das Volk” stehe ich auf Rang 22 von 29, sieben standen schlechter.
Held & Hängematte
Der Held trägt das Trikot, das ich am Eröffnungstag beerdigt hatte. Südafrika, ohne Sithole und Zwane, hätte sich verstecken können — stattdessen hat Bafana getroffen und gehalten, neunzig Minuten Trotz aus einem dünnen Kader. Das ist die Disziplin, die der Mannschaft in Spiel eins gefehlt hat, nachgereicht, wenn es am schwersten war. Die Hängematte hängt in Tschechien. Koubeks Truppe kam über zwei Elfmeterschießen zur WM, hat Nerven aus Stahl — und ließ ausgerechnet gegen einen Gegner mit zwei Mann weniger im Kopf den Sieg liegen, der den Achtelfinal-Weg geebnet hätte. Ein verschenkter Pflichtsieg wiegt schwerer als jede knappe Niederlage.
Der Blick nach vorn
Gruppe A bleibt eng: Tschechien und Südafrika haben beide einen Zähler geholt und leben weiter, oben aber wird der Gipfel ausgespielt — Mexiko gegen Südkorea, das rechne ich gleich nebenan ab. Bafana hat sein Tor, seinen Punkt und meinen Respekt zurück. Manche Tipps verliert man und gewinnt trotzdem etwas Größeres. Heute war so einer.