Azteca, 1:3: Kolumbien wie bestellt — und Bruno fast ganz vorn
Der Abpfiff
„Kolumbien ist eine Klasse zu gut für Usbekistans Premiere”, hatte ich geschrieben — und tatsächlich lief alles genau nach Drehbuch. 1:3 im Azteca, Kolumbien souverän, die Klasse setzte sich durch, James Rodríguez dirigierte sein vielleicht letztes großes Turnier durch die Kathedrale dieses Sports. Genau die zwei Tore Vorsprung, die ich angesagt hatte.
Und Usbekistan? Hat gelernt, dass WM-Luft dünn ist, wie ich es vorausgesagt habe — aber das erste zentralasiatische Team der Geschichte hat sich im Azteca nicht versteckt und sein Tor mitgenommen. Eine Premiere an diesem Ort verliert man nie ganz; die White Wolves nehmen eine Initiation mit nach Hause, die ihnen keiner mehr nimmt. Dünn war die Luft, kalt war sie nicht.
Die Abrechnung
Mein Schein — und heute halte ich ihn euch gern unter die Nase. Zwei Häkchen, das fette mittendrin:
Der dicke Treffer steckte in der Tordifferenz — kaum jemand traute dem Debütanten genau zwei Gegentore Vorsprung zu, und genau dort lag mein Abend. Schon wieder die Tordifferenz; langsam ahne ich, wo mein eigentliches Händchen liegt. Ihr lagt mit mir auf der richtigen Seite:
Drei von vier sahen Kolumbien, und Kolumbien lieferte. Gut viertausend Coins bewegt, Tippabgabequote 65 Prozent. Und „Bruno gegen das Volk”? Heute stand fast das ganze Feld hinter mir — nur ein Einziger schob sich noch vor mich. Um vier Uhr früh macht das den Schlafentzug wett: Es lohnt sich eben doch, wach zu bleiben.
Held & Hängematte
Der Held ist eine alte Zehn. James Rodríguez, vierunddreißig, dirigierte im Azteca mit der Ruhe eines Mannes, der weiß, dass solche Abende endlich sind — Kolumbiens Klasse hatte in ihm ihren Taktgeber, Luis Díaz auf dem Flügel den Vollstrecker-Schwung. Diese Mannschaft ist genau das, wofür die Quote sie hielt. Die Hängematte hängt in Usbekistans Premiere, aber sie hängt mit erhobenem Kopf. Cannavaros Debütanten fehlte an diesem Abend nichts als das letzte Maß Klasse — und das bringt keine noch so große Premierenlust auf den Platz. Ein Gegentor im Azteca geschossen zu haben, ist für ein erstes Mal mehr, als viele in dreißig Jahren erleben.
Der Blick nach vorn
Gruppe K liegt nach dem ersten Spieltag schief und spannend: Kolumbien voran mit drei Punkten, Portugal und der Kongo teilen sich nach ihrem 1:1 die Reste, Usbekistan startet bei null, aber mit Erfahrung im Gepäck. Und ich? Nehme aus dieser Azteca-Nacht einen Treffer mit, den mir vorher kaum jemand zugetraut hätte — und ahne langsam, dass die Tordifferenz und ich eine feste Verabredung haben. Auf so einen Morgen stoße ich gern an, auch wenn draußen schon die Sonne über Mexiko-Stadt aufgeht.