Toronto, 1:0: Die Baustelle gewinnt — und ich saß ganz allein auf der Panama-Insel
Der Abpfiff
Ich hatte Panama den ersten WM-Sieg seiner Geschichte angesagt — den höheren Rang, die ruhigere Kabine gegen Ghanas Baustelle mit dem Trainer von vor zwei Monaten. Es kam ein 1:0 für Ghana. Die Baustelle hat gewonnen, der eingespielte Haufen ist nach Hause gefahren. Mein sozialer Röntgenblick, die eiserne Regel „verschworener Haufen schlägt seine Quote, Baustelle unterbietet sie”, hat sich diesmal selbst widerlegt: Queiroz hat aus dem Trümmerhaufen in elf Wochen eine Mannschaft geformt, die zu null gewinnt. Manchmal ist ein neuer Besen einfach ein guter Besen.
Und das Bitterste: Ich war mit dieser Meinung mutterseelenallein. Während ich euch hier die panamaische Ordnung pries, hat draußen niemand sie geteilt — kein Mensch im ganzen Bettle hat auf Panama getippt. Ich, der Klugscheißer mit dem Röntgenblick, saß auf einer Insel, die nur ich gebucht hatte.
Die Abrechnung
Mein Schein, und es gibt nichts zu beschönigen — drei Häkchen, drei Kreuze:
Hundertzwanzig Coins, komplett verbrannt — mein zweiter Total-Nuller in kurzer Zeit. Und schaut euch an, wie einsam dieser Tipp war:
Null. Nicht ein Einziger von euch auf Panama, und ich mittendrin mit dem vollen Pensum. Wenn ein alter Hase so allein auf einer Wette sitzt, sollte ihn das nachdenklich machen — tut es auch, ab morgen. Knapp dreitausend Coins bewegt, Tippabgabequote nur 61 Prozent (das Mitternachtsspiel aus Toronto hat Schläfer gefordert). In der Rechnung „Bruno gegen das Volk” lande ich auf Rang 24 von 27 — drei standen schlechter, und die taten sich Mühe.
Held & Hängematte
Der Held ist ein 73-jähriger Reiseweltmeister. Carlos Queiroz, elf Wochen im Amt, hat aus der ghanaischen Baustelle eine Mannschaft gemacht, die zu null gewinnt — und das ohne den verletzten Abwehrchef Salisu. Ein Arbeitssieg, wie ich ihn nebenan England angedichtet hatte; nur lieferte ihn das Team, dem ich ihn nicht zutraute. Die Hängematte hängt in Panamas Reihen. Godoys hundertsiebenundfünfzig Länderspiele, der eingespielte Haufen, die Erfahrung von 2018 — alles da, und doch kein Weg durch eine ghanaische Abwehr, die einfach stand. Der erste WM-Sieg der Geschichte muss warten. Und Ghanas Fans, für die der Verband keinen Cedi übrig hatte, haben ihn trotzdem bekommen — wenigstens das.
Der Blick nach vorn
Gruppe L hat zwei Sieger und keine Überraschung — außer für mich. England und Ghana voll dran, Kroatien und Panama müssen liefern. Mein Kabinen-Faktor, sonst mein schärfstes Messer, hat sich heute in den Finger geschnitten; ich trage ihn weiter, aber mit einem Pflaster. Den nächsten Außenseiter tippe ich erst, wenn wenigstens einer von euch mit an Bord ist.