Arlington, 2:2 — meine Japaner holen den Punkt, den ich ihnen nicht zugetippt habe
Der Abpfiff
Ich habe Japan zum Sieg getippt und verloren. Und ich würde es sofort wieder tun. Denn die These, die ich euch im größten Stadion dieser WM verkauft habe — Japan ist die am meisten unterschätzte Mannschaft des Turniers — die hat heute Nacht jemand mit zwei Toren unterschrieben. Van Dijk bringt Oranje in der 50. in Führung, Japan antwortet durch Nakamura. Summerville stellt auf 2:1, und als die Niederländer schon den Bus warmlaufen lassen, kommt Kamada in der 89. und stellt die Welt zurück auf gerecht. Zwei Rückstände, zwei Antworten. Gegen die Nummer acht der Welt.
Mein Schein wollte den Sieg, und den gab es nicht. Aber die Kabine, von der ich schrieb, sie sei seit Jahren dieselbe, gegen eine, die ihre Achse noch sucht — die hat genau das geliefert, was ich ihr zugetraut habe, nur eine Tordifferenz zu wenig für mein Konto. „Reich oder lächerlich”, hatte ich angekündigt. Heute keins von beidem: nur ärmer und ein bisschen stolz.
Die Abrechnung
Drei Häkchen mit Herz gesetzt, drei Kreuze kassiert — der Preis fürs Romantischsein:
Hundertzwanzig, weg. Und das Bittere: Hätte ich auf das Remis getippt, das der Markt Japan ja zugetraut hat, ich stünde heute im Grünen. Genau in dieser Lücke wollte ich wohnen — und habe einen Schritt zu weit hineingesetzt.
Vier von euch wohnten dort richtig. Acht standen mit mir auf der japanischen Seite, elf auf der niederländischen — und nur die vier Remis-Tipper räumten ab:
3.900 Coins durch Bettle One, Tippabgabequote 79,5 Prozent — der Sonntagabend zog. Coup und Schmerz lagen dabei keine Tordifferenz auseinander:
Bruno vs. Volk: Rang 30 von 36 an diesem Spiel, sechs standen schlechter — alle sechs hatten, wie ich, einen Sieger getippt und keinen bekommen. Wer aufs Remis ging, ging nach vorn. Manchmal ist der mutige Tipp der falsche und der langweilige der kluge. Schreibt euch das auf, ich tue es selten.
Held & Hängematte
Der Held trägt Blau und fegt nach Abpfiff die Tribüne. Diese japanische Mannschaft, die zweimal zurückliegt und zweimal zurückkommt, das letzte Mal in der Minute, in der andere aufgeben — das ist die Kultur, die Moriyasu seit acht Jahren baut, kein Strohfeuer. Und sie tat es ohne Mitoma, den Mann des Wembley-Tors. Die Hängematte schaukelt in Oranje: zweimal geführt, zweimal nicht gehalten. Van Dijk kann viel zudecken, aber keine Kabine ersetzen, die noch nicht weiß, wer sie ist. Wer 2:1 führt und einen Punkt mit nach Hause nimmt, hat zwei verloren.
Der Blick nach vorn
Gruppe F teilt sich nach dem ersten Abend in zwei Lager: Japan und die Niederlande sortieren ihre Erwartungen neu, während sich an gleicher Stelle Schweden mit ganz anderer Lautstärke meldete — mehr dazu in der nächsten Spalte. Für meine Japaner gilt: Ein Punkt gegen die Acht der Welt ist kein Rückstand, das ist eine Kampfansage. Ich bleibe dabei, gegen jede Quote.