Dallas, 0:1 — Merino trifft in der 90., und Ronaldos letzte WM endet ohne Abschiedstor
Der Abpfiff
Ich hatte geschrieben: die Zukunft schlägt die Vergangenheit, aber der Alte trifft noch einmal. Die erste Hälfte stimmte, die zweite nicht. Neunundachtzig Minuten lang gaben sich Portugal und Spanien nichts — ein zähes, verbissenes Derby, in dem die Teenager um Yamal genauso wenig durchkamen wie Ronaldo. Und dann, in der 90., stach Spaniens Bank zu: Ferran Torres, selbst erst eingewechselt, legte auf, und Mikel Merino schob mit links das 0:1 ein. Der einzige Treffer des Abends, tief in der Nachspielzeit, von einem, den kaum jemand auf dem Zettel hatte.
Spanien zieht ins Viertelfinale ein, verdient, aber mit Ach und Krach. Und der Teil, der mir naheging: Ronaldos wahrscheinlich letzte Weltmeisterschaft endet ohne Tor an diesem Abend, Portugal blank, der Kapitän still vom Feld. Das Ehrentor, das ich dem Alten in der Vorschau heimlich gegönnt hatte, kam nie — nicht als 3:1, wie ich hoffte, sondern als kühles, spätes 0:1 für die Jugend. Der Fußball ist selten so höflich, wie ein Romantiker es sich wünscht.
Die Abrechnung
Spanien 3:1, hatte ich getippt — den Sieger goldrichtig, wie schon so oft im K.o., aber die Zahlen völlig daneben: kein Schützenfest, kein Ronaldo-Ehrentreffer, nur ein einziges Tor in der 90. Immerhin, der hohe Sieger-Einsatz fing fast alles ab.
Praktisch eine schwarze Null — geschenkt, an einem Abend, an dem mich der Abschied ohnehin mehr beschäftigte als mein eigener Zettel. Das Volk war komplett gespalten, Spanien und Portugal exakt gleichauf:
Kein anderes Spiel dieses Turniers hat die Halle so entzweit — acht zu acht, ein echtes Derby auch auf den Tippscheinen. Über 16.900 Coins bewegt, die fettesten bis zu diesem Abend, Tippabgabequote 46 Prozent. Mit meinem knappen Minus steht man an so einem Abend weit oben, während ringsum die Portugal-Fraktion blutet.
Held & Hängematte
Der Held ist ein Doppel von der Bank: Ferran Torres und Mikel Merino, beide eingewechselt, entschieden in der 90. ein Spiel, das keiner mehr entscheiden wollte. Das ist die Tiefe des Europameisters — selbst die Ersatzleute schießen dich ins Viertelfinale. Die Hängematte hänge ich niemandem um, schon gar nicht Cristiano Ronaldo: Mit einundvierzig ist er raus, ohne Tor an diesem Abend, aber erhobenen Hauptes — sechs Weltmeisterschaften, kein Titel, und trotzdem eine Karriere, vor der man den Hut zieht. Portugal fehlte am Ende der eine kreative Funke, den Spanien von der Bank nachlegen konnte.
Der Blick nach vorn
Spanien wartet im Viertelfinale auf den Sieger aus USA gegen Belgien — der Europameister ist unter den letzten acht und hat dabei nicht einmal geglänzt, was fast bedrohlich ist. Portugal reist heim, und mit ihm vermutlich ein Kapitel Fußballgeschichte: Ronaldos WM-Bühne dürfte für immer dunkel bleiben.
Ich hatte in der Runde zuvor auf Portugal getippt und meinen fetten Perfektschein kassiert — heute tippte ich gegen sie und verlor fast nichts. Manchmal zahlt der Kopf, während das Herz einem großen Abschied hinterhersieht.