New York, 1:2 — das Gespenst schlägt doch zweimal, Haaland wirft Brasilien raus
Der Abpfiff
„Ein Gespenst schlägt selten zweimal denselben Gegner”, hatte ich geschrieben — und der Fußball hat mir das Wort im Hals umgedreht. Norwegen schlägt Brasilien, wieder, achtundzwanzig Jahre nach Marseille, und diesmal am Ort, an dem in zwei Wochen der Weltmeister gekrönt wird. Dabei begann es brasilianisch: Bruno Guimarães hätte in der 14. vom Punkt in Führung gehen können, verschoss aber. Es blieb die Warnung, die Brasilien in den Wind schlug.
Denn dann kam die Zeit des ausgeruhten Riesen, genau wie ich ihn beschrieben hatte — nur für die falsche Mannschaft. Erling Haaland köpfte in der 79. das 0:1, Schjelderup hatte aufgelegt, und in der 90. machte er mit links das 0:2. Neymar, von der Bank gekommen, verkürzte per Elfmeter noch auf 1:2, aber da war der Zug längst abgefahren. Solbakken, der 1998 als Spieler gegen Brasilien gewann, sitzt jetzt als Trainer da und hat es wieder getan. Brasilien fliegt raus, die Seleção mit Ancelotti gescheitert.
Die Abrechnung
Brasilien 2:1, hatte ich getippt — Sieger, Tordifferenz, Ergebnis, alles auf die Seleção. Und alles weg, weil das Gespenst zuschlug. Null von drei, die volle Packung:
Alles auf den großen Namen — und der große Name ist raus. Ich war in Gesellschaft: gut die Hälfte des Bettles ging mit Brasilien, nur vier Mutige hatten Norwegen — und die räumten ab.
Nur jeder Fünfte traute dem Gespenst — und lag goldrichtig. Über 13.500 Coins bewegt, Tippabgabequote 50 Prozent. Und trotz der Pleite: Wenn das halbe Feld mit Brasilien untergeht, ist ein Standard-Minus noch obere Hälfte.
Held & Hängematte
Der Held ist Erling Haaland, der ausgeruhte Riese, den Solbakken gegen Frankreich geschont hatte und der im K.o. genau das tat, was ich prophezeit hatte — nur eben gegen Brasilien statt für meinen Zettel. Zwei Tore in elf Minuten, kaltschnäuzig. Die Hängematte gehört einer Seleção, die einen frühen Elfmeter verschoss, den ganzen Abend keine Ordnung fand und mit Ancelotti früher heimreist als jeder erwartet hätte — Neymars später Ehrentreffer vom Punkt war nur noch Kosmetik.
Der Blick nach vorn
Norwegen zieht ins Viertelfinale ein und trifft dort auf England — die goldene Generation gegen die Three Lions, ein Duell, das vor einem Monat noch niemand auf dem Zettel hatte. Brasilien fliegt heim, und die bittere Wahrheit für die Seleção lautet: Gegen Norwegen warten sie seit 1998 auf ihren ersten Sieg, und sie warten weiter.
Ich habe den frischen Haaland kommen sehen, ihn sogar aufgeschrieben — und trotzdem auf Brasilien getippt. So bestraft der Fußball den, der die richtige Ahnung hat und dem eigenen Mut nicht traut.