Philadelphia, oder: Deschamps' letzte Mission beginnt gegen ein altbekanntes Gespenst
Die These
Frankreich ist der Bus-Zerleger dieses Turniers — und Paraguay der beste Bus, den es bisher zu zerlegen galt.
Der Faktenkasten
Die Lage
Frankreich ist die Mannschaft, die in diesem Turnier Busse zerlegt: drei Gruppensiege, ein 3:0 über Schweden, ein Dembélé in Galaform und ein Mbappé, der gerade zu Frankreichs Rekordtorschützen aufgestiegen ist. Wer da mithalten will, braucht mehr als Ordnung. Er braucht Beton — und Paraguay hat Beton.
Mein Röntgenblick mag diese paraguayische Kabine, seit sie in Boston Deutschland vom Punkt aus dem Turnier warf: ein verschworener Haufen um Kapitän Gustavo Gómez, der lieber ein 0:0 verteidigt als ein 2:2 spielt. Alfaro, der argentinische Fuchs, hat aus einer Elf, die in der Quali fast gescheitert wäre, einen Abwehrblock geformt, der keinen Ball billig hergibt. Nur: Was gegen Deutschlands Sattheit reichte, ist gegen Frankreichs Hunger eine andere Nummer. Der Bus hält, bis er nicht mehr hält — und gegen diese Franzosen hält kein Bus neunzig Minuten.
Abseits des Platzes
Für Didier Deschamps ist das hier der Anfang vom Ende: Er hat angekündigt, dass 2026 seine letzte Aufgabe als Nationaltrainer ist, nach vierzehn Jahren und zwei WM-Finals in Folge. Und der Fußballgott hat Humor, denn ausgerechnet Paraguay steht ihm im Weg. 1998 war Deschamps Kapitän, als Frankreich seinen ersten Titel holte — und das schwerste Spiel jenes Sommers, hat Blanc später gesagt, war das Achtelfinale gegen genau dieses Paraguay, das die Équipe 114 Minuten lang zur Verzweiflung trieb, ehe Blancs Golden Goal fiel. Achtundzwanzig Jahre später schließt sich der Kreis, und Deschamps’ letzte Mission beginnt gegen sein altes Gespenst.
Dass das Ganze am 4. Juli steigt, in Philadelphia, wo sie vor 250 Jahren die amerikanische Unabhängigkeit ausriefen, gibt dem Abend eine trockene Pointe: Während die halbe Stadt Feuerwerk zündet, spielen ein Argentinier und ein Franzose um den Einzug ins Viertelfinale — Weltfest statt Nationalfeiertag, und mir ist das zweite lieber.
Was die Welt erwartet
Vier von fünf sehen Frankreich, kaum jeder Fünfzehnte Paraguay — so einig ist sich der Markt selten, und ausnahmsweise nicke ich. Aber die Geschichte flüstert einen Vorbehalt: Wenn eine Mannschaft diese Franzosen ärgern kann, dann eine, die verteidigen will und kann. 1998 war das genau Paraguay. Ich glaube nicht an die Wiederholung — ich halte sie nur für möglicher, als 81 Prozent sagen.
Brunos Ansage
Der Bus hält lange, aber nicht lange genug. Frankreich gewinnt 2:0.
Wenn Paraguay dieses Ding ins Elfmeterschießen schleppt, ziehe ich meinen Hut und meine Coins hinterher. Aber darauf wetten? Das wäre gegen den Kopf, und heute hört der ausnahmsweise auf die Quote.