Houston, 0:3 — Brunos Liebling spielt die Müdigkeit weg und steht im Viertelfinale
Der Abpfiff
Ich hatte vor den müden Beinen gewarnt — 120 Minuten und ein Elfmeterschießen steckten Marokko noch in den Knochen, und Kanada kam frisch. Vergesst, was ich gesagt habe. Mein Liebling hat die Müdigkeit einfach weggespielt: Azzedine Ounahi köpfte, nein, schoss in der 50. das 0:1 nach Hakimi-Zuspiel, machte in der 82. mit dem 0:2 den Deckel drauf (Brahim Díaz legte auf), und Soufiane Rahimi setzte in der 90. das 0:3 obendrauf — wieder Brahim Díaz als Vorbereiter. Ein 3:0, so souverän, dass die Frische-Debatte kurz nach der Pause erledigt war.
Mein Röntgenblick sieht bei diesem Marokko genau das, wofür ich es seit Katar liebe: eine verschworene Diaspora-Kabine, die auch mit schweren Beinen ihre Klasse abruft. Brahim Díaz, in Málaga geboren, dirigiert; Hakimi marschiert; Ounahi trifft. Kanada, das seinen ersten K.o.-Sieg der Geschichte im Rücken hatte, wurde schlicht überklasst. Der Liebling steht im Viertelfinale — das erste Mal, dass ich das in diesem Turnier schreiben darf, ohne dass mein Herz blutet.
Die Abrechnung
Marokko 2:1, hatte ich getippt — den Sieger goldrichtig, aber wieder eine Nummer zu tief: Es wurde ein 3:0, Kanada blieb blank.
Praktisch eine schwarze Null — der Sieger-Treffer fing fast alles ab, was die anderen zwei Tipps kosteten. Das Volk sah Marokko klar vorne:
Fast zwei Drittel auf Marokko, ein Drittel aufs Remis, nur ein einsamer Tipp auf Kanada — das Volk tippte den Favoriten so entschlossen wie ich. Über 12.000 Coins bewegt, Tippabgabequote 48 Prozent.
Held & Hängematte
Der Held ist Azzedine Ounahi mit seinem Doppelpack — und dahinter Brahim Díaz, der mit zwei Vorlagen bewies, warum er das Trikot seiner Eltern dem seiner Geburtsstadt vorzog. Diese Diaspora-Kabine ist mehr als die Summe ihrer Pässe. Die Hängematte gehört Kanada, das mit dem Rückenwind seines ersten K.o.-Siegs kam und von einer Klasse überrollt wurde, die es (noch) nicht hat — Marsch’ Mannschaft geht ohne Schande, aber ohne Tor. Meine Sorge um die müden marokkanischen Beine war, mit Verlaub, Unsinn.
Der Blick nach vorn
Marokko trifft im Viertelfinale auf Frankreich — die Neuauflage des Katar-Halbfinals von 2022, und diesmal reise ich mit dem ganzen Herzen mit. Kanada verabschiedet sich als Mitgastgeber, der Geschichte geschrieben hat und an der nächsten Hürde an der eigenen Grenze scheiterte.
Mein Liebling steht unter den letzten acht, und mein Konto hat es fast umsonst mitgetragen. Manchmal gewinnt das Herz und der Zettel schaut nur knapp zu.