Santa Clara, 2:0 — der Gastgeber gewinnt in Unterzahl, und Bruno den perfekten Schein
Der Abpfiff
„Die USA sind klar besser”, hatte ich geschrieben, „aber ich schaue bei diesem Gastgeber immer zweimal hin — auf den Rasen und daneben.” Auf dem Rasen bekam ich ein kleines Drama: Folarin Balogun drückte kurz vor der Pause das 1:0 über die Linie, und keine zwanzig Minuten später flog er mit Rot vom Platz. Eine Viertelstunde, eine halbe Stunde in Unterzahl gegen ein Bosnien mit Džeko von der Bank — und die USA hielten nicht nur, sie legten nach: Malik Tillman machte in der 82. das 2:0. Ein Elftel-Mann-Sieg, gritty, wie man hier sagt.
Und daneben? Da bleibt mir mein alter Widerspruch. Ich sehe eine Mannschaft, die für ihr Land kämpft, und ein Land, das das größte Fest der Offenheit ausrichtet, während seine Regierung die Türen zumauert. Das Team kann nichts für die Politik, die es umgibt — und ausgerechnet dieses junge, trotzige US-Team wächst mir Spiel für Spiel mehr ans Herz. Die Maschinerie drumherum kritisiere ich weiter. Die elf auf dem Platz nicht.
Die Abrechnung
Und jetzt der Teil, für den ich diese Nacht lange in Erinnerung behalte. USA 2:0, hatte ich getippt — Sieger, Tordifferenz, genaues Ergebnis, alle drei. Und alle drei saßen. Mein dritter perfekter Schein des Turniers, der erste seit Kroatien gegen Ghana.
Fast zweihundertsechzig Coins Plus aus hundertzwanzig Einsatz — so schön rechnet sich ein Abend selten. Das Volk war sich weniger sicher als ich; nur knapp über die Hälfte ging mit dem Gastgeber:
Ein knappes Drittel rechnete mit einem Remis — die Roten Karten machen die Leute vorsichtig, zu Recht. Über 8.800 Coins bewegt, Tippabgabequote 44 Prozent. Mein Tagesrang: Platz 3 von 22, neunzehn standen schlechter. Die Quote weiß es. Ich wusste es besser.
Held & Hängematte
Der Held ist Malik Tillman, der in der 82. die Nerven behielt, als die USA schon eine halbe Stunde zu zehnt spielten und jeder Konter tödlich sein konnte. Dahinter eine Mannschaft, die aus der roten Karte keine Panik machte, sondern eine Trotzreaktion. Die Hängematte hängt über Bosnien: Mit Džeko im Rücken und einem Mann mehr auf dem Platz eine halbe Stunde lang kein Tor zu erzwingen — das ist zu wenig für eine K.o.-Runde. Balogun bekommt von mir keine Hängematte, nur einen erhobenen Zeigefinger: erst der Held, dann der Depp, alles in einer Halbzeit.
Der Blick nach vorn
Im Achtelfinale wartet Belgien, das sich nebenan gegen Senegal erst in der Verlängerung aus der Affäre zog — ein Gegner mit großen Namen und wackligen Beinen, genau die Sorte, an der sich ein trotziger Gastgeber messen lassen will. Bosnien reist ab, und ich behalte im Kopf, was ich hier gelernt habe: Dieses US-Team ist besser, als seine Politik es verdient.
Drei Häkchen, ein Land, das mich weiter zwiespältig lässt — und ausnahmsweise ein Abend, an dem der Kopf komplett recht behielt. Ich genieße das, solange es hält.