East Rutherford, 2:1 — Ecuador trifft endlich, und zwar dreimal so hart, wie Bruno es sich gewünscht hat
Der Abpfiff
„Ecuador trifft endlich — und verliert trotzdem.” Das war meine These, dreihundert Coins schwer, und sie war so präzise daneben, dass es schon wieder Kunst ist. Ecuador traf endlich. Aber verlieren? Das machte Deutschland.
Leroy Sané schoss das DFB-Team nach 110 Sekunden in Führung, und ich saß da und dachte: läuft. Dann kam Nilson Angulo in der 9. zum 1:1, und in der 77. drehte Gonzalo Plata mit links das Ding ganz herum — 2:1 für ein Ecuador, das in zwei Spielen kein einziges Tor geschossen hatte und sich für das dritte gleich zwei aufgehoben hatte. Die Mannschaft, der ich „kein Tor” attestiert hatte, schoss zwei und gewann. Und das Bitterste: Deutschland bleibt trotzdem Gruppensieger. „Es hat sich verdient, nicht zu müssen”, hatte ich getitelt. Es musste nicht. Es verlor. Beides stimmt.
Die Abrechnung
Mein Spezial. Dreihundert Coins, invertierte Pyramide, drei rote Kreuze:
Dreihundert, restlos weg. Und das 2:1, das ich in Vancouver für beglichen hielt, kam zurück — diesmal auf der allerfalschesten Seite, die es geben kann. Ich war jung, ich brauchte den Tipp. Der eigentliche Trost ist ein bitterer: Ich war nicht allein. Ich war im Gegenteil so wenig allein wie nie:
Lest das grüne Feld noch mal: null. Kein einziger von euch hatte Ecuador. Sechzehn auf Deutschland, vier auf das Remis, und das Ergebnis stand in keiner Kabine auf dem Zettel. Über 5.000 Coins durch dieses eine Spiel bewegt, Tippabgabequote 63 Prozent — und fast alle in dieselbe Grube. Mein Tagesrang: geteilter Platz 22 von 30, niemand stand schlechter. Acht von euch verbrannten wie ich die vollen Dreihundert; wir teilen uns die letzte Bank.
Held & Hängematte
Der Held ist Gonzalo Plata, der in der 77. mit links das Spiel und einen ganzen Gruppenausgang umschrieb — aber der eigentliche Held ist eine ecuadorianische Kabine, die zwei Spiele lang kein Tor fand und im dritten, als alles auf dem Spiel stand, plötzlich eiskalt war. Caicedo, Pacho, Hincapié — Substanz, die endlich zündete. Die Hängematte hängt diesmal nicht in Ecuador, sondern in der deutschen Selbstgewissheit: früh geführt, alles im Griff, Gruppensieg eh sicher — und genau diese Komfortzone ließ ein hungriges Ecuador eine satte Elf überrennen. Nagelsmann darf weiter, aber er hat heute gesehen, was Sattheit kostet.
Der Blick nach vorn
Deutschland ist Gruppensieger und zieht ins Sechzehntelfinale ein, als wäre nichts gewesen — sportlich folgenlos, für Bettle One eine der teuersten Nächte des Turniers. Ecuador rettet sich über die Drittenwertung womöglich mit, die kleinste WM-Nation Curaçao geht heim, die Elfenbeinküste ist durch. Eine Gruppe, in der am Ende der verlor, der gewann, und der weiterkam, der verlor. Schreibt mir das mal eine Quote vorher.