Vancouver, 2:1 — der Fußballgott zahlt seine Schuld, und ich treffe zum ersten Mal alles
Der Abpfiff
„In diesem Gruppenfinale ist Schweizer Abgeklärtheit mehr wert als Kanadas Gastgeber-Euphorie.” Das war die These. Das war auch das Spiel.
Im BC Place von Vancouver — und es tut gut, einen Gruppensieg in einem Land zu feiern, das die Welt willkommen heißt statt sie zu sortieren — hat die Schweiz nach der Pause zugeschlagen: Rubén Vargas direkt nach Wiederanpfiff (46.), Johan Manzambi mit dem 2:0 (57.), und der junge Mann legte nicht nur auf, er traf auch selbst — Embolo der Vorbereiter, Manzambi der Vollender. Kanada kam durch Promise David noch auf 2:1 heran (76.), aber die Euphorie reichte nicht gegen die Routine. Die Schweiz wird Gruppensieger, Kanada folgt als Zweiter — beide weiter, einer abgeklärt, einer lehrreich gescheitert.
Die Abrechnung
Setzt euch hin. Lehnt euch zurück. Das hier ist mir noch nie passiert:
Drei Häkchen, drei Treffer, dreihundertsechsundneunzig Coins. Mein erster perfekter Schein des Turniers — und ausgerechnet mit dem Ergebnis, das mir der Fußballgott seit dem Eröffnungswochenende schuldete. Damals, beim koreanischen 2:1, hatte ich exakt diese Zahl getippt und sie spiegelverkehrt zurückbekommen. Heute, in Vancouver, kam sie heim, auf der richtigen Seite. „Wer den Sieger kennt, kennt nicht das Ergebnis” — vier Spieltage lang mein Fluch. Heute Nacht aufgehoben, vollständig. Und das Volk? Das stand mehrheitlich im Abseits:
Mehr als die Hälfte tippte ein Remis zweier längst qualifizierter Mannschaften — verständlich, aber falsch. Nur fünf gingen mit der Schweiz, und ich war einer davon. Knapp viertausend Coins bewegt, Tippabgabequote 59 Prozent. Mein virtueller Rang, und ich sage das mit der Demut eines Mannes, dem so etwas selten passiert: Platz 3 von 27, vierundzwanzig standen schlechter.
Held & Hängematte
Der Held ist Johan Manzambi, neunzehn Jahre alt, ein Tor vorbereitet und eins selbst gemacht — die Schweiz hat eine Zukunft, und sie heißt nicht mehr nur Xhaka und Embolo. Die Hängematte gehört Kanada, und das sage ich ohne Häme: Die Gastgeber-Euphorie ist echt, der Kader ist gewachsen, Promise Davids Tor war Trotz in Reinform. Sie sind als Zweiter durch, sie haben nichts verloren außer dem ersten Platz — und ein Land, das vor zwei Jahren noch um WM-Tore bettelte, spielt jetzt oben mit. Vancouver hat einen guten Verlierer gesehen. Davon gibt es zu wenige.
Der Blick nach vorn
Gruppe B ist sortiert: die Schweiz oben, Kanada dahinter, beide im Achtelfinale. Für die Eidgenossen war das die Generalprobe für die K.-o.-Runde, in der Abgeklärtheit Gold wert ist. Und ich? Ich nehme meinen perfekten Schein, lege ihn unters Kopfkissen und tue heute Nacht etwas, das ich selten tue: nichts bereuen.