0:4: Brunos Lieblinge liefern — Japan fegt Tunesien weg
Der Abpfiff
„Japan gewinnt — reifer und ruhiger, als der Rang es sagt.” So hatte ich es angesagt, mit Herz und Kopf am selben Tisch, und meine Lieblinge haben geliefert, sogar deutlicher als gedacht: 0:4 in Tunesien, eine reife, kühle Demonstration. Das schnelle Umschaltspiel, vor dem ich gewarnt hatte, traf auf ein Tunesien, das nach dem 1:5 gegen Schweden offener spielen musste, als ihm guttat — und Japan bestrafte jede Lücke.
Die verschworene japanische Kabine gegen die verunsicherte tunesische, das war mein Spiel, und es lief genau so. Nach dem 2:2 gegen Oranje, bei dem Japan zweimal zurückkam, jetzt der ungefährdete Sieg: Diese Mannschaft trägt das Turnier mit Anstand und Aufruhr zugleich, wie ich sie liebe.
Die Abrechnung
Mein Schein. Der Sieger saß — die Höhe übertraf ihn:
Vierundzwanzig zurück auf den Sechziger, unterm Strich ein Minus von sechsunddreißig. Selbst beim Sieg meiner Lieblinge bleibt das alte Muster: Ich tippe zu zaghaft, sie schießen zu viel. Über diese Sorte Minus beschwere ich mich am wenigsten. Ihr lagt fast geschlossen mit mir auf Japan:
Mehr als vier von fünf sahen Japan. Knapp dreieinhalbtausend Coins bewegt, Tippabgabequote 58 Prozent (der Vier-Uhr-Anstoß forderte Schläfer). „Bruno gegen das Volk”: Rang 18 von 26, acht standen schlechter.
Held & Hängematte
Der Held ist eine Spielkultur. Japan hat nicht mit Glück oder einem Ausrutscher gewonnen, sondern mit der leisen, beharrlichen Reife, für die ich diese Fußballnation seit Jahren bewundere — Nachwuchsarbeit statt Funktionärsposten, eine Kabine, die zusammenhält, und Fans, die danach das Stadion aufräumen. Vier Tore, kein Übermut. Die Hängematte hängt in Tunesien. Nach dem 1:5 gegen Schweden das 0:4 gegen Japan — neun Gegentore in zwei Spielen, eine Abwehr, die das Turnier gnadenlos ausstellt. Wer offen spielen muss, weil ihm das Pflichtprogramm davonläuft, wird gegen Klasse doppelt bestraft.
Der Blick nach vorn
Gruppe F gehört Oranje und Japan, beide mit der vollen Ausbeute und der Tordifferenz im Rücken; Schweden und Tunesien müssen am letzten Spieltag liefern. Und ich? Verbuche meinen Lieblingen einen seltenen Gefallen: Sie haben mir wenigstens den Sieger-Tipp gerettet, anders als beim verweigerten Sieg gegen Oranje. Die alte Rechnung mit Japan ist damit nicht ganz beglichen — aber das Vorzeichen stimmt zum ersten Mal. Mit so einem Liebling lässt sich verlieren.