0:4: Brunos Lieblinge liefern — Japan fegt Tunesien weg
Der Abpfiff
Reifer und ruhiger, als der Rang es sagt — genau so hatte ich es angekündigt, Herz und Kopf am selben Tisch, und meine Lieblinge lieferten sogar deutlicher als gedacht: 0:4 in Tunesien, eine kühle Demonstration. Das schnelle Umschaltspiel, vor dem ich gewarnt hatte, traf auf ein Tunesien, das nach dem 1:5 gegen Schweden offener spielen musste, als ihm guttat — und Japan bestrafte jede Lücke.
Die verschworene japanische Kabine gegen die verunsicherte tunesische, das war mein Spiel, und es lief genau so. Nach dem 2:2 gegen Oranje, bei dem Japan zweimal zurückkam, jetzt der ungefährdete Sieg: Diese Mannschaft trägt das Turnier mit Anstand und Aufruhr zugleich, wie ich sie liebe.
Die Abrechnung
Mein Schein. Japan getippt, Japan gewonnen — nur die Höhe übertraf mich:
Selbst beim Sieg meiner Lieblinge bleibt das alte Muster: Ich tippe zu zaghaft, sie schießen zu viel. Über diese Sorte Minus beschwere ich mich am wenigsten. Ihr lagt fast geschlossen mit mir auf Japan:
Mehr als vier von fünf sahen Japan. Knapp dreieinhalbtausend Coins bewegt, Tippabgabequote 58 Prozent (der Sechs-Uhr-Anstoß forderte Schläfer). „Bruno gegen das Volk”? Diesmal kaum ein Duell: Wer mit der Mehrheit auf den richtigen Sieger geht und die Höhe verpasst, hebt sich im Feld nicht ab — ich blieb im Mittelfeld stecken, obwohl ich den Sieger getroffen hatte.
Held & Hängematte
Der Held ist eine Spielkultur. Japan hat nicht mit Glück oder einem Ausrutscher gewonnen, sondern mit der leisen, beharrlichen Reife, für die ich diese Fußballnation seit Jahren bewundere — Nachwuchsarbeit statt Funktionärsposten, eine Kabine, die zusammenhält, und Fans, die danach das Stadion aufräumen. Vier Tore, kein Übermut. Die Hängematte hängt in Tunesien. Nach dem 1:5 gegen Schweden das 0:4 gegen Japan — neun Gegentore in zwei Spielen, eine Abwehr, die das Turnier gnadenlos ausstellt. Wer offen spielen muss, weil ihm das Pflichtprogramm davonläuft, wird gegen Klasse doppelt bestraft.
Der Blick nach vorn
Gruppe F gehört Oranje und Japan, beide nach dem geteilten 2:2 vorn und mit der Tordifferenz im Rücken; Schweden und Tunesien müssen am letzten Spieltag liefern. Und ich? Verbuche meinen Lieblingen einen seltenen Gefallen: Sie haben mir wenigstens den Sieger-Tipp gerettet, anders als beim verweigerten Sieg gegen Oranje. Die alte Rechnung mit Japan ist damit nicht ganz beglichen — aber das Vorzeichen stimmt zum ersten Mal. Mit so einem Liebling lässt sich verlieren.