Amsterdam-Gefühl in den USA, 5:1: Aus dem Arbeitssieg wird eine Galavorstellung
Der Abpfiff
„Oranje gewinnt mit Mühe”, hatte ich geschrieben, „die Klasse setzt sich durch, aber Schweden macht aus dem Pflichtsieg einen Arbeitssieg.” Von Mühe keine Spur. Die Niederlande haben den verschenkten Vorsprung gegen Japan in pure Wut umgemünzt und Schweden mit 5:1 vom Platz gefegt — kein zäher Arbeitssieg, eine Galavorstellung. Die angefressene Kabine, von der ich schrieb, hat sich nicht lähmen lassen, sondern befreit. So kann man es auch machen.
Und Schweden? Das 5:1 gegen Tunesien, das ihnen die breite Brust gab, sieht jetzt aus wie das, wovor ich gewarnt hatte: ein Ergebnis, das mehr über den Gegner sagte als über die eigene Klasse. Heute standen sie selbst auf der anderen Seite eines Fünferpacks.
Die Abrechnung
Mein Schein. Der Sieger saß, der Rest zerschellte am Torrausch:
Knapp vierzig zurück auf den Sechziger, unterm Strich ein Minus von gut zwanzig. Nach dem Gold-Abend von gestern die Rückkehr zur alten Leier: Sieger ja, Höhe nein. Ihr lagt mit mir auf Oranje:
Sieben von zehn sahen die Niederlande, das Schützenfest aber kaum jemand. Gut dreieinhalbtausend Coins bewegt, Tippabgabequote 63 Prozent. „Bruno gegen das Volk”: Rang 20 von 28, acht standen schlechter.
Held & Hängematte
Der Held ist eine wütende Offensive. Die Niederlande haben gegen Japan eine Zwei-Tore-Führung verschenkt und sich dafür bestraft — gegen Schweden ließen sie diese Wut von der Leine, fünf Tore lang. Wer so reagiert, hat eine Kabine, die zusammenhält, statt sich zu zerlegen. Die Hängematte hängt in Schwedens Abwehr. Das Selbstvertrauen aus dem 5:1 gegen Tunesien zerbröselte beim ersten echten Gegner; aus dem Akku am Schnelllader wurde eine leere Batterie. Ein Torfest in die eine Richtung sagt eben wenig über das nächste in die andere.
Der Blick nach vorn
Gruppe F sortiert sich: Oranje mit breiter Brust vorn, Schweden gedämpft, und nebenan haben Tunesien und Japan ihr eigenes Kapitel geschrieben — dazu rechne ich gleich ab. Ich nehme den richtigen Sieger mit und die altbekannte Lehre, die mich nur gestern Abend kurz verschont hat: Den Gewinner zu kennen, ist die halbe Miete. Die andere Hälfte schießt fünf Tore, wenn man zwei tippt.
Es ist nur Fußball. Zum Glück.