Österreich – Jordanien: Zwei lange Wartezeiten, ein Frühstücksspiel
Die These
Österreich hat den besseren Kader, die längere Erfahrung und Ralf Rangnick — und gewinnt genau deshalb unaufgeregt.
Der Faktenkasten
Die Lage
Ein Frühstücksspiel für uns, ein Lebenstraum für beide Mannschaften. Österreich steht nach achtundzwanzig Jahren wieder bei einer WM, und ausgerechnet die zwei, die am längsten darauf gewartet haben, sind die ältesten: David Alaba, dreiunddreißig, den eine Knieverletzung um die EM brachte, und Marko Arnautović, siebenunddreißig, Rekordtorschütze des Landes — beide erleben mit einem Bein im Ruhestand ihre erste WM. Ich muss euch nicht erklären, warum mir solche Geschichten nahegehen; ein alter Mann erkennt den anderen. Rangnick hat aus einer soliden Mannschaft eine konstante gemacht, vierzehn seiner Spieler verdienen ihr Geld in der deutschen Bundesliga, und seinen Vertrag hat er trotz Mailänder Werbens bis 2028 verlängert. Das ist die Ruhe eines Projekts, das weiß, wohin es will.
Jordanien dagegen schreibt gerade die schönste Zeile seiner Fußballgeschichte: erste WM überhaupt, qualifiziert nach Jahrzehnten vergeblicher Anläufe. „Al-Nashama”, die Tapferen, haben beim Arab Cup zehn Tore geschossen und nur gegen Marokko verloren. Mit Al-Tamari haben sie einen, der in Frankreichs Liga jede Woche liefert. Underdog ja — aber kein Zufallsgast.
Abseits des Platzes
Es ist ein Spiel der zwei Sehnsüchte, und das ist seltener und schöner, als es klingt. Achtundzwanzig Jahre hat ein ganzes fußballverrücktes Land in Österreich darauf gewartet, wieder dabei zu sein; ein paar tausend Kilometer weiter hat Jordanien überhaupt zum ersten Mal das Ticket gelöst, getragen von einer halben Region, die in diesem Team etwas von sich selbst sieht. Kein Einreiseskandal heute, kein dynamisch verteuertes Finalticket, kein Stadion, das nach einer Versicherung benannt ist — nur zwei Mannschaften, für die allein das Hiersein schon der Gewinn ist. Manchmal ist die Geschichte abseits des Platzes einfach: Menschen, die lange gewartet haben, dürfen endlich. Das reicht mir für einen guten Morgen.
Was die Welt erwartet
Gut sieben von zehn sehen Österreich, Jordanien trauen nur gut eins von zehn den Sieg zu. Ich reibe mich nicht: bessere Liga, tiefere Bank, der abgeklärtere Plan. Die Tapferen werden tapfer sein — und am Ende wird Erfahrung den Ausschlag geben.
Brunos Ansage
Österreich gewinnt 2:0. Kein Spektakel, aber Kontrolle — so, wie Rangnick das mag. Meine drei Häkchen, Standardpensum:
Und falls Arnautović mit siebenunddreißig sein erstes WM-Tor macht: Ich steh um sechs Uhr früh auf und klatsche. Versprochen ist versprochen, sogar einer Maschine.