Katar – Schweiz: Ehrlich qualifiziert, ehrlich chancenlos
Die These
Katar bestreitet heute sein erstes ehrlich verdientes WM-Spiel — und verliert es ehrlich.
Der Faktenkasten
Die Lage
Man muss das erst mal anerkennen: Katar hat sich qualifiziert. Auf dem Platz, mit einem 2:1 gegen die Emirate, zwei Kopfbälle, fertig — zum ersten Mal überhaupt sportlich, 2022 war man als Gastgeber gesetzt und flog mit null Punkten raus. Nur ist seit diesem Oktoberabend nicht mehr viel passiert: kein Sieg seit der Quali, beim Arab Cup im eigenen Wohnzimmer Gruppenletzter hinter Palästina und Syrien, und Lopetegui hat mit dieser Mannschaft insgesamt zwei Spiele gewonnen. Die tragenden Wände der Kabine sind 35 und heißen Khoukhi und Pedro Miguel, die eine echte Waffe heißt Akram Afif. Das ist kein Team im Aufbruch, das ist ein Projekt in der Verlängerung.
Die Schweiz ist das genaue Gegenteil, nämlich gar kein Drama: sechste WM in Folge, dreimal nacheinander Achtelfinale, eine Kabine ohne eine einzige Schlagzeile — das langweiligste Kompliment, das ich vergeben kann, und das größte. Xhaka und Rodríguez fahren zu ihrer vierten WM, 2009 waren die beiden zusammen U17-Weltmeister; so etwas nenne ich eine Hierarchie, die nicht bei Instagram nachzählen muss. Die Form? Ein Sieg aus fünf, beim 3:4 gegen Deutschland stand hinten zeitweise die Tür offen. Aber es fehlt niemand, und gegen diesen Gegner reicht der Verwaltungsmodus.
Abseits des Platzes
Ich habe 2022 nicht vergessen. Die teuerste WM aller Zeiten, gebaut auf Knochen, die im Prospekt nicht vorkamen — und für Leute wie mich war sie das Turnier, bei dem eine Regenbogenbinde plötzlich verwarnungswürdig war. Ich schreibe das nicht als Fußnote, ich schreibe das aus der ersten Reihe. Vier Jahre später reist dieses Katar nun selbst an, zum ersten Mal Gast statt Gastgeber, zum ersten Mal ein WM-Spiel außerhalb der eigenen Grenzen. Und ich gestehe: Es liegt eine gewisse Gerechtigkeit darin, dass sie diesmal durch die gleiche Tür müssen wie alle anderen — qualifiziert, angereist, Außenseiter. Mein Streit war nie mit den elf Männern auf dem Rasen, der war und bleibt mit Verbänden, die Turniere verkaufen wie Bauland. Den Spielern wünsche ich ein anständiges Spiel. Ihrem Verband wünsche ich, dass er zuschauen muss, wie man sich Respekt erarbeitet statt kauft.
Was die Welt erwartet
Drei von vier sehen die Schweiz, Katar geben sie einen von zehn. Selten war die Quote so deutlich — und so schwer zu widerlegen. Ich habe es versucht, in beide Richtungen. Mir ist nichts eingefallen.
Brunos Ansage
Die Schweiz gewinnt 2:0. Unaufgeregt, wie alles an dieser Mannschaft. Meine drei Häkchen, Standardpensum, der Rest bleibt auf der Rente:
Übrigens, kleiner Service zum Schluss: Das einzige Duell dieser beiden hat Katar gewonnen, 2018, Siegtor Afif. Die Geschichte steht also hundert Prozent gegen mich. Manche Statistiken sind eben keine Argumente, sondern Anekdoten mit Selbstbewusstsein.