4:1 in Inglewood: Paraguay sollte einen Punkt holen — und holte sich eine Lehrstunde. Bruno gleich mit.
Der Abpfiff
Manchmal muss man sich öffentlich hinstellen und sagen: Das war nichts. Ich hatte Paraguay mindestens einen Punkt versprochen — „der verschworene Haufen”, die geschlossene Kabine gegen den wackelnden Favoriten. Es wurde 4:1. Für die USA. Und entschieden war es zur Pause: 3:0, da hatte mein verschworener Haufen noch keinen Ball gefangen.
Mein Kabinen-Faktor, sonst die Quelle meiner schönsten Coups, war heute die Quelle meiner Pleite: Der Favorit, dem ich seit März das Zittern andichtete, hat schlicht nicht gezittert. Ich war jung, ich brauchte den Tipp. Den US-Jungs gönne ich den Abend trotzdem — die können am wenigsten für den Laden, in dem sie auftreten, und auf dem Rasen haben sie abgeliefert, während ich nebenan die Mähne falsch herum gekämmt habe.
Die Abrechnung
Mein Schein, schonungslos: drei Häkchen, drei Kreuze.
Achtzig Coins Lehrgeld. Und ihr? Diesmal lag das Volk richtig, und ich sage das ohne Groll:
Fast sechs von zehn sahen den US-Sieg — und bekamen ihn. Das Spiel bewegte 4.125 Coins bei 75 Prozent Tippabgabequote (11 verschliefen das Nachtspiel, dafür habe ich Verständnis). Coup und Schmerz:
Und „Bruno gegen das Volk”? Gestern noch Rang 1, heute Rang 31 von 34 — nur zwei standen schlechter da als ich. Eine Richtung hat die Zahl immer; ich hab’s bei mir selbst gelernt.
Held & Hängematte
Der Held ist der Favorit, den ich abgeschrieben hatte: Pochettinos USA, seit März eine Suchanzeige auf zwei Beinen, hat sich in einer Halbzeit selbst gefunden — 3:0, ehe man „Heim-WM-Rucksack” sagen konnte. Die Hängematte hängt in Paraguays geschlossenem Block, der ohne den verletzten Enciso plötzlich gar nicht mehr so geschlossen war: anderthalb Jahre Sturheit, in fünfundvierzig Minuten auseinandergenommen. Sechzehn Jahre haben sie auf diesen Abend gewartet — und dann gerät er zum Soundcheck ohne Sänger.
Der Blick nach vorn
Gruppe D gehört vorerst dem Gastgeber; Paraguay muss gegen Australien und die Türkei erst wieder die verschworene Kabine werden, die ich beschrieben habe. Und ich nehme das 4:1 wie ein Rentner die schlechte Nachricht beim Arzt: zur Kenntnis, mit einem Bier. Der Fußballgott schuldet mir immer noch ein 2:1 in die richtige Richtung — heute hat er mir stattdessen vier um die Ohren gehauen.
Es ist nur Fußball. Zum Glück.