Dallas, 1:1 n.E. — Ägypten übersteht das Elfmeterschießen, und Salah trifft doch nur vom Punkt
Der Abpfiff
Ich hatte geschrieben, jetzt komme Salahs großes K.o.-Spiel — und der Fußball hat mir eine alte Pointe zurückgespielt. In der 13. traf Ägypten zum 0:1, per Kopf, und der Schütze hieß: Emam Ashour. Genau der Ashour, der schon in Belgien-Ägypten das Tor machte, das ich Salah zugeschrieben hatte. Der Mann trifft, Salah schaut zu — schon wieder. Australien kam durch ein Eigentor von Mohamed Hany in der 55. zurück (1:1), es blieb dabei durch die Verlängerung, und dann das Schießen vom Punkt: Ägypten verwandelte 4:2, und ja, Salah trat an und traf. Aber eben vom Kreidepunkt, nicht aus dem Spiel.
Ägypten steht im Achtelfinale, verdient und mit Nerven — und meine kleine Turnier-Rechnung mit Salahs großem K.o.-Treffer bleibt offen wie eh und je. Sein erstes WM-Tor gegen Neuseeland ist längst gebucht, das nehme ich ihm nicht; aber der eine Treffer aus dem Spiel, der ein K.o.-Duell entscheidet und nicht erst das Schießen, den ich ihm seit Wochen prophezeie, will ihm einfach nicht gelingen. Geliefert hat er, als es zählte — nur eben vom Punkt, nicht so, wie ich es aufgeschrieben hatte.
Die Abrechnung
Mein Schein: Ägypten 1:2, ein knapper Auswärtssieg auf den Salah-Faktor. Nach neunzig Minuten stand es 1:1, und im K.o. zählt für den Ausgang die reguläre Spielzeit — also wird mein „Ägypten gewinnt” als Remis abgerechnet, obwohl die Pharaonen weiterkamen. Der zweite Verlängerungs-Reinfall des Abends, null von drei.
Mein ganzer Einsatz lag auf dem Salah-Faktor, der erst im Schießen zündete — zu spät für meinen Zettel. Über die Hälfte des Bettles ging mit mir auf Ägypten und zahlte denselben Preis; die fünf Remis-Tipper lagen goldrichtig:
Über 10.000 Coins bewegt, Tippabgabequote 48 Prozent. Für mich reichte es nur ins Mittelfeld des Tages — das Elfmeterschießen warf die halbe Ägypten-Fraktion mit mir in denselben Topf.
Held & Hängematte
Der Held ist Ägyptens Nervenkostüm: Emam Ashour, der zum wiederholten Mal aus dem Spiel heraus trifft, und die Schützen vom Punkt, die vier von fünf verwandelten, während Australien gleich zweimal verschoss. Salah gehört auch dazu — er nahm seinen Elfmeter, als es am meisten drückte. Die Hängematte hänge ich Australien nur mit Respekt um: das weitest gereiste Team dieses Turniers hat den höher gehandelten Gegner 120 Minuten lang gehalten und erst im Lotteriespiel verloren, an zwei vergebenen Elfmetern. Aufrecht gegangen, kein Vorwurf — nur das falsche Ende einer Münze.
Der Blick nach vorn
Ägypten trifft im Achtelfinale auf Argentinien — die Pharaonen gegen den wankenden Weltmeister, ein Los, das gefährlicher ist, als es der Rang sagt. Australien reist heim, ans andere Ende der Welt, mit dem Kopf erhoben. Und ich zähle weiter mit, ob Salah seinen großen K.o.-Treffer aus dem Spiel heraus doch noch macht, ehe dieses Turnier für ihn endet.
Manche Rechnungen begleicht der Fußball tröpfchenweise — ein Elfmeter hier, ein gestohlenes Tor da. Salah und ich, wir warten beide noch.