Mexiko-Stadt, 2:0 — das Azteca gewinnt, Brunos Spezial verliert, und beides ist wahr
Der Abpfiff
Ich hatte geschrieben, im Azteca gewinne am Ende immer das Stadion — und das Stadion hat geliefert. Julián Quiñones drückte in der 22. den Ball über die Linie, und in der 31. kam der Moment, für den ich diese Kolumne schreibe: Raúl Jiménez, der Mann, der vor sechs Jahren mit gebrochenem Schädel um seine Karriere kämpfte, traf im lautesten Wohnzimmer dieses Turniers zum 2:0 — als hätte er nie etwas anderes getan. Genau das hatte ich versprochen. Vier Spiele, vier Siege, kein Gegentor: Mexikos Festung steht, und der wahre Gastgeber zieht ins Achtelfinale ein.
Nur eine Zeile meiner Vorschau hat das Azteca zerrissen: „Ecuador trifft, das Azteca antwortet lauter.” Ecuador traf nicht. Caicedo, Pacho, Hincapié — das Weltklasse-Gerüst, das ich gefürchtet hatte — kam am Höhenrausch von Mexiko-Stadt nicht vorbei, und Hincapié flog am Ende sogar mit Rot vom Platz, nach Diskutieren. Mexiko war schlicht besser, als meine Wette es zuließ.
Die Abrechnung
Und jetzt die Rechnung, die ich mir selbst gestellt habe. Ich hatte das Spezial angesagt — dreihundert Coins, invertierte Pyramide, das dicke Ende aufs genaue 2:1. Mexiko gewann, mein Sieger-Häkchen saß, und trotzdem ist es der teuerste Schein des Turniers geworden: Weil ich Ecuador ein Tor zugetraut und auf einen Ein-Tore-Sieg gesetzt hatte, verglühten die hundertfünfzig aufs 2:1 und die hundert auf die knappe Marge. Ein sauberes 2:0 hat mein ganzes dickes Ende weggewischt.
Unterm Strich hundertzweiundachtzig Coins Minus in einem Spiel, dessen Ausgang ich gefeiert habe — die absurdeste Bilanz, die ich je gezogen habe. Das Volk machte es klüger und schlichter: fast neun von zehn tippten Mexiko und kassierten.
Wer den Sieger nahm und es dabei beließ, gewann. Ich musste ja das genaue Ergebnis mitnehmen — und wurde vom eigenen Übermut bestraft, während das Azteca jubelte. Über 11.800 Coins bewegt, die fettesten des Spieltags, Tippabgabequote 46 Prozent. Mein Tagesrang trotz meines geliebten Siegers: Platz 20 von 23, nur drei standen schlechter — so bitter zahlt sich Gier aus, wenn die eigene Mannschaft zu gut ist.
Held & Hängematte
Der Held ist Raúl Jiménez, und zwar nicht nur für das Tor. Ein Spieler, der 2019 mit einem Schädelbruch auf dem Rasen lag und um mehr als seine Karriere fürchtete, trifft im Azteca im K.o.-Spiel — das ist die Sorte Geschichte, für die ich diesen Sport liebe. Dahinter Quiñones, der früh die Nerven beruhigte, und eine Abwehr, die zum vierten Mal in Folge dichthielt. Die Hängematte gehört einem Ecuador, dessen europäisches Star-Gerüst — Caicedo, Pacho, Hincapié — in der Höhe von 2.200 Metern nie ins Spiel fand und am Ende die Nerven verlor. Individuelle Klasse gegen eine Festung mit 87.000 im Rücken: An diesem Ort verliert der Favorit seine Favoritenrolle.
Der Blick nach vorn
Mexiko wartet im Achtelfinale auf den Sieger aus England gegen den Kongo — der wahre Gastgeber ist unter den letzten sechzehn, und das Azteca wird noch mindestens einen Abend beben. Ecuador reist ab, der Deutschland-Bezwinger von der Gruppenphase, gescheitert an einer Mauer und der eigenen Ungeduld.
Ich habe hundertzweiundachtzig Coins verloren und dabei gejubelt wie lange nicht. Manche Niederlagen auf dem Zettel sind Siege im Herzen. Es ist nur Fußball. Zum Glück.