Houston, 5:0 — Ronaldo räumt den Patzer weg, und ich schenke Usbekistan ein Tor, das nie fällt
Der Abpfiff
„Portugal biegt den Auftakt-Patzer mit aller Macht gerade … das eine Gegentor inklusive.” Die These stimmte. Das Gegentor habe ich frei erfunden.
Im Houston Stadium, bei einer Hitze, in der man Spiele eigentlich nicht spielen sollte, hat die Selecção den Kongo-Frust in neunzig Minuten abgearbeitet. Ronaldo meldet das Turnier für sich zurück — das 1:0 in der 6., das 3:0 in der 39., mit einundvierzig Jahren immer noch ein Doppelpack, und ich sitze hier und weiß nicht, ob ich das großartig oder ein bisschen unheimlich finden soll. Dazwischen legte Nuno Mendes das 2:0 nach, nach der Pause fälschte ein Usbeke zum 4:0 ins eigene Tor ab, Leão setzte den Schlusspunkt. Fünf zu null. Kein Gegentor, kein Wackeln, kein Mitleid.
Die Abrechnung
Mein Schein — der Sieger sitzt, der Rest geht baden:
Da ist es wieder, mein altes Leiden: Ich kenne den Sieger und kenne das Ergebnis nicht. Portugal getippt, Portugal gewonnen, und trotzdem im Minus, weil ich dem Debütanten höflich einen Treffer und zwei Tore weniger zugestanden habe. Höflichkeit kostet hier Geld. Das Volk war weniger zimperlich:
Zwanzig von einundzwanzig auf Portugal — das war keine Wette, das war eine Wettervorhersage für Sonne in der Sahara. Gut viertausend Coins bewegt, Tippabgabequote 55 Prozent. Ich hänge heute weit hinten, mit dem geschenkten Höflichkeits-Tor um den Hals — nicht so Dr.Ucks, der Mehrmarkt-Streuer, der sich in einem Fünf-Tore-Fest natürlich seinen Schnitt holt: Tore-Spiele sind sein Wohnzimmer.
Held & Hängematte
Der Held ist Cristiano Ronaldo, und ich sage das ungern. Einundvierzig Jahre, zwei Tore, ein Mann, der die FIFA-Plakate länger trägt als mir lieb ist — aber wer mit einundvierzig noch so eiskalt einschiebt, dem nehme ich die Show nicht übel. Das ist kein Marktwert mehr, das ist Sturheit, und Sturheit mag ich. Die Hängematte gehört Usbekistan. WM-Debüt, zwei Spiele, zwei Niederlagen, jetzt ein 0:5 — aber sie haben in Houston nicht aufgesteckt, als es längst entschieden war. Untergehen kann man mit Haltung. Sie haben’s getan.
Der Blick nach vorn
Gruppe K sortiert sich brutal: Kolumbien und Portugal mit Kurs aufs Weiterkommen, Usbekistan raus. Am letzten Spieltag treffen die beiden Großen direkt aufeinander — und dann zählt plötzlich die Tordifferenz, die heute jeder geschenkt bekam. Ronaldo wird sie sich merken. Ich auch, diesmal.