New York, 3:2: Haaland trifft zweimal, Sarr kontert zweimal — mein wackeligster Tipp sitzt
Der Abpfiff
„Norwegen gewinnt knapp — und wenn Senegals offene Rechnung heute zuschlägt, habe ich es kommen sehen und trotzdem dagegen getippt.” Genau so war es. Und genau so tat es trotzdem weh.
Pedersen trifft kurz vor der Halbzeit zur 1:0-Führung, dann Haaland zum 2:0 — ich dachte kurz, das wird ein ruhiger Abend. Wurde es nicht. Sarr verkürzte auf 1:2, dann noch einmal zum 2:2, und mein Wohnzimmer wäre beinahe zur Trauerzone geworden. Harald hat gefragt, was denn jetzt wieder los sei. Haaland macht das 3:2, Abpfiff, Norwegen weiter — nach 28 Jahren Weltmeisterschaftspause ist dieses Team in der K.-o.-Runde.
Die These saß exakt: knapp. Mein 2:1 war falsch, weil Senegals Rache eben doch zweimal zugeschlagen hat, wie ich in der Vorschau geahnt hatte — und weil Norwegen erst im dritten Tor die Antwort fand. Die goldene Generation um Sarr hat alles gegeben, was ich ihr zugetraut hatte, und verloren. Das ist Fußball in seiner unbarmherzigsten Schönheit.
Die Abrechnung
Zweihundert Coins plus auf meinen unsichersten Tipp des Spieltags — das ist der Lohn für das, was ich in der Vorschau „die zittrigste Hand dieses Spieltags” nannte. Die Tordifferenz saß, weil Norwegen den Abstand auf exakt ein Tor hielt. Das genaue Ergebnis nicht, weil Sarr dafür gesorgt hat, dass der Abend doppelt so dramatisch wurde wie gedacht. Ich nehme das Plus, ohne mich zu beschweren:
Gut ein Drittel glaubte nicht an Norwegen — die lagen falsch. Die drei, die auf Senegal gesetzt hatten, wurden für ein spannendes Spiel mit einem leeren Konto belohnt. Gut dreitausend Coins bewegt, Tippabgabequote knapp fünfundfünfzig Prozent. Mein virtueller Rang: Platz 6 von 25. Neunzehn standen schlechter als ich.
Held & Hängematte
Der Held ist Erling Haaland, der zweimal trifft und gleichzeitig so tut, als sei das das Mindestprogramm für diesen Abend — was es für ihn auch ist. Aber dahinter: Pedersen mit dem Führungstreffer in der entscheidenden psychologischen Phase, der Norwegen auf Kurs brachte, bevor Sarr den Abend komplizierte. Die Hängematte ist ein Ehrenstuhl: Ismaila Sarr hat hier nicht verloren, er hat zweimal getroffen und gegen eine bessere Mannschaft fast ausgereicht. Die offene Rechnung nach dem umgewerteten Afrika-Cup-Finale bleibt offen — er hat geliefert, den Sieg hat er nicht bekommen. Das ist manchmal die längste Niederlage.
Der Blick nach vorn
Norwegen qualifiziert, Frankreich qualifiziert — Gruppe I ist gelaufen. Senegal braucht noch einen Sieg gegen den Irak, um weiterzukommen. Wenn überhaupt jemand durch Trotz und offene Rechnungen noch weiterkämpft, ist es dieses Team. Ich bin gespannt. Der Abend in New York hat mir zweihundert Coins gegeben und das Herz schneller schlagen lassen — das ist die Art von Abend, für die man diesen Fußball schaut.
Es ist nur Fußball. Zum Glück.