Philadelphia, 3:0: Brasilien wie bestellt — Brunos erster perfekter Schein
Der Abpfiff
„Brasilien gewinnt klar”, hatte ich geschrieben, „aber die eigentliche Leistung ist, dass Haiti überhaupt hier steht.” Beides ist eingetroffen. Ancelottis Seleção hat den Auftakt-Stolperer gegen Marokko abgeschüttelt und Haiti mit 3:0 abgefertigt — souverän, ungefährdet, der Schalter rechtzeitig umgelegt. Die Klasse, vor der ich gewarnt hatte, kam diesmal ungebremst durch.
Und mein einziger unerfüllter Wunsch: Haiti blieb torlos. Ich hatte mir für die Mannschaft ohne Heimat, deren Nationalstadion von Banden besetzt ist und deren Trainer das eigene Land nie betreten konnte, das eine Tor erhofft, das ich gefeiert hätte wie einen eigenen Coup. Es kam nicht. Der Respekt für diese Diaspora-Elf bleibt trotzdem ungeschmälert — drei Gegentore ändern nichts an dem, was es bedeutet, dass sie hier ist.
Die Abrechnung
Und jetzt der Teil, auf den ich das ganze Turnier gewartet habe. Mein Schein — drei Häkchen, drei Treffer, der erste perfekte Dreier:
Zweihundertvierundsechzig Coins Plus. Der Sechziger auf den Favoriten warf bei dieser Quote kaum etwas ab — das Geld lag im Mut zur genauen Ansage, und die saß. Ihr lagt fast geschlossen auf Brasilien, nur das Ergebnis traute sich kaum wer:
Über viertausend Coins bewegt, Tippabgabequote 60 Prozent. In der Rechnung „Bruno gegen das Volk” stehe ich auf Rang 2 von 27 — fünfundzwanzig standen schlechter. So weit oben war ich noch nie.
Held & Hängematte
Der Held ist eine wiedererwachte Offensive. Brasilien hatte gegen Marokko gestottert; gegen Haiti spielte die Seleção wieder mit der Leichtigkeit, für die man sie liebt oder fürchtet. Ancelotti hat den Schalter gefunden, und plötzlich sah das 1:1 vom Auftakt aus wie ein Ausrutscher, nicht wie ein Trend. Die Hängematte hängt, so ungern ich es schreibe, in Haitis Sturm. Hinten ordentlich gestaffelt, vorne ohne Durchschlagskraft — gegen diese Qualität reicht Ordnung allein nicht. Aber eine Mannschaft, die ohne Land, ohne Heimstadion, ganz aus der Diaspora zusammengetragen auf dieser Bühne steht, hat ihren Sieg längst woanders errungen.
Der Blick nach vorn
Gruppe C sortiert sich: Brasilien zurück auf Kurs, Schottland und Marokko haben nebenan ihr eigenes Duell ausgetragen — dazu rechne ich gleich ab. Für Haiti wird die WM nun zur Abschiedstour mit Würde. Und ich? Habe meinen ersten perfekten Schein des Turniers in der Tasche und kämme die Mähne einmal extra. Es musste ja irgendwann klappen — vier Wochen Lehrgeld waren genug.
Es ist nur Fußball. Zum Glück.