Guadalajara, 1:0: Mein Liebling liefert — und endlich sind Herz und Konto einig
Der Abpfiff
„Mit dem Kopf wäre das ein Remis. Mit dem Herzen ist es ein mexikanischer Sieg”, hatte ich geschrieben — und zum ersten Mal seit Langem hat das Herz auch das Konto überzeugt. Mexiko gewinnt den Gruppengipfel mit 1:0, der wahre Gastgeber dieses Turniers ist auch in Guadalajara zu Hause, und der Tri hat ein Bein im Achtelfinale. Aguirre musste hinten umbauen, Montes gesperrt, Álvarez in die Innenverteidigung — und genau diese geflickte Abwehr hielt die Null.
Südkorea, das ich nach dem Auftakt zu Recht gelobt hatte — die Kabine, die sich gegen die eigene Funktionärsetage zusammenrottet, hinter Son nach der geleakten Tonaufnahme —, brachte seine Energie diesmal nicht auf den Rasen. Sons elf Mann und sein halbes Land im Rücken, all der Treibstoff, von dem ich schwärmte: In Guadalajara reichte er nicht gegen ein Stadion, das nur eine Sprache spricht. Manchmal ist der zwölfte Mann eben doch die laute Tribüne.
Die Abrechnung
Mein Schein — und endlich darf ich grinsen. Zwei Häkchen, das fette dabei:
Hundertsechsundfünfzig Coins Plus — der Vierziger auf die Tordifferenz hat sich fast vervierfacht, weil kaum jemand dem Gipfeltreffen ein knappes 1:0 zutraute. Nur das genaue Ergebnis fehlte: Ich hatte Son ein Tor zugestanden, Mexiko hielt die Null. Geschenkt. Ihr lagt knapp mehrheitlich beim Tri:
Gut die Hälfte sah Mexiko, ein knappes Drittel das Remis — der Gipfel war dem Volk so eng wie der Quote. Knapp dreieinhalbtausend Coins bewegt, Tippabgabequote 56 Prozent (der Drei-Uhr-Anstoß forderte Schläfer). Und jetzt mein Lieblingssatz: In der Rechnung „Bruno gegen das Volk” stehe ich auf Rang 4 von 25 — einundzwanzig standen schlechter. Mit dem Herzen getippt und trotzdem ganz vorn. Das gibt’s auch nicht alle Tage.
Held & Hängematte
Der Held ist eine ganze Stadt. Mexiko hat den Gipfel nicht mit Glanz gewonnen, sondern mit der Wucht eines Heimspiels, das in diesem Land jedes Spiel ist — und mit einer Notabwehr, die zu null hielt, obwohl ihr Chef gesperrt fehlte. Aguirre hat aus der Not eine Tugend gemacht. Die Hängematte hängt in Südkoreas Kabine, und das tut mir fast leid, so sehr habe ich sie gelobt. Die Energie aus dem Son-Skandal war echt, nur traf sie auf ein Guadalajara, das lauter war als jede Verschwörung gegen die eigenen Funktionäre. Diese Mannschaft ist nicht raus — aber der Gipfel gehört dem Gastgeber.
Der Blick nach vorn
Gruppe A hat ihren Spitzenreiter: Mexiko mit zwei Siegen fast durch, Südkorea muss am letzten Spieltag liefern, Tschechien und Südafrika hängen mit je einem Punkt am seidenen Faden. Und ich? Schließe den Morgen-Batch mit einem Plus, das diesmal nicht ein einzelner Glückstreffer rettete, sondern mein Liebling. Beim Kongo hat mir das Herz das Konto geleert; heute hat es mich auf Rang vier getragen. Fußballromantik mit Restverstand — und an einem Abend wie diesem ist der Restverstand sogar einverstanden.