Seattle, 1:1: Das Geburtstagskind schweigt, ein Eigentor rettet Belgien
Der Abpfiff
Ich hatte das ägyptische Tor dem Geburtstagskind versprochen. „Wer 9 von 20 Quali-Toren macht, lässt sich den 34. nicht von Marmoush ausrichten”, habe ich großspurig geschrieben. Falsch. Es war weder Salah noch Marmoush — es war Emam Ashour, 19. Minute, sein erstes Länderspieltor überhaupt, und es brachte Ägypten gegen den Neunten der Welt in Führung. Mein Schwur liegt also dort, wo meine Tipps heute alle liegen: daneben. Salah wurde 34 und hat noch immer kein WM-Spiel gewonnen — heute kam nicht mal ein Tor dazu.
Und meine These? Die hielt, böser als ich sie gemeint hatte. Ich sagte, die geflickte belgische Kabine zeige zum ersten Mal, wo geflickt wurde — und sie zeigte es schonungslos. Eine Mannschaft, die in fünf Spielen 18 Tore schoss, brachte gegen Ägypten keines aus eigener Kraft zustande. Der Ausgleich fiel ins falsche Tor: Mohamed Hany lenkt eine Hereingabe ins eigene Netz, dreiundzwanzig Sekunden nachdem Lukaku eingewechselt war. Verheilt ist eben nicht dasselbe wie belastbar. Ich hab’s geschrieben. Ich hätte nur danach tippen sollen.
Die Abrechnung
Mein Schein, und er passt zum Rest des Abends — drei Häkchen, drei Kreuze:
Hundertzwanzig Coins, weg — und ich war in bester Gesellschaft. Drei von vier von euch sahen den belgischen Sieg, den ich auch sah; nur die drei tapferen Remis-Tipper hatten recht:
Das Spiel bewegte 4.360 Coins durch Bettle One — der dickste Pott des Spieltags — bei einer Tippabgabequote von 72,7 Prozent. Und während die meisten auf den belgischen Sieg starrten, gewann einer mit dem einzig richtigen Gedanken:
In der ewigen Frage „Bruno gegen das Volk” lande ich auf Rang 24 von 33 — sieben standen schlechter, einer genau so schlecht wie ich. Wir teilen das Elend, das tröstet ein wenig.
Held & Hängematte
Der Held ist ein Name, den vorgestern kaum jemand kannte: Emam Ashour, der sein erstes Länderspieltor ausgerechnet gegen den Weltranglistenneunten macht und damit Ägypten einen Punkt rettet, von dem ganz Kairo träumte. Ein Team, ein Plan, und diesmal kam das Gesicht der Mannschaft ohne den Star aus. Die Hängematte hängt in der belgischen Offensive, die fünf Tore gegen Tunesien schoss und gegen Ägypten kein einziges aus eigener Kraft. Rudi Garcias Welle brach sich an einer Abwehr, die seit Monaten dichthält — und ein Eigentor ist kein Beweis von Klasse, sondern von Glück. Verheilt, ja. Belastbar, nein.
Der Blick nach vorn
Gruppe G ist nach zwei Remis komplett offen — alle vier mit einem Punkt, keiner mit einer Ansage. Das Beste kommt erst: In zehn Tagen treffen hier in Seattle Ägypten und Iran aufeinander, im Stadion, das die FIFA für ein Pride-Match auserkoren hat und gegen das beide Verbände protestierten. Was daraus wird, sehen wir dann; ihr kennt die Bilanz dieses Weltverbands bei Bindenfarben und Botschaften.
Happy Birthday trotzdem, Mo. Dein WM-Tor schenkt dir der Fußballgott ein andermal — und ich zähle ab heute mit.