Guadalajara, 2:1 — und der Fußballgott spricht Koreanisch
Der Abpfiff
Ich hatte 2:1 geschrieben. Es wurde 2:1. Und ich habe trotzdem verloren — weil der Fußballgott einen Humor hat, der heute Nacht Koreanisch sprach. Mein Schwur von Prag, die Kabine, die seit zwei Jahren trotz ihres Verbands spielt, lief um vier Uhr früh in Guadalajara auf und ging unter. Südkorea zwei, Tschechien eins, beide trafen, und am Ende stand exakt mein Ergebnis auf der Tafel — nur hatte jemand die Namen vertauscht.
Die Abwehr, der ich Cho Yu-mins Fehlen zum Verhängnis prophezeit hatte, hielt, als es zählte. Son geht mit drei Punkten in seine vierte WM, und die Geschichte, die ich euch erzählt habe — der 74-jährige Koubek, die zwei überlebten Elfmeterschießen, der Schwur — die war wahr, sie hat diesmal nur nicht gereicht. Manchmal schweißt so eine Kabine zusammen. Meistens, habe ich selbst geschrieben, kostet es genau die fünf Prozent. Heute habe ich recht behalten. Gegen mich.
Die Abrechnung
Mein Schein, und diesmal tut’s weh — drei Häkchen, drei Kreuze:
Hundertzwanzig Coins, einfach weg. Der Sechziger auf Tschechien, eine Tordifferenz, die ich auf „genau ein Tor” getippt hatte — und es war genau ein Tor, nur in die andere Richtung — und ein 1:2, das als 2:1 zurückkam. Verkraftbar? Fragt mich morgen nochmal.
Und ihr? Acht von euch standen mit mir im tschechischen Boot, fünf setzten aufs Remis — und nur die fünf einsamen Korea-Tipper hatten recht:
Insgesamt hat dieses Spiel 1.925 Coins durch Bettle One bewegt, bei einer Tippabgabequote von nur noch 65 Prozent — gestern waren es 87,5. Vierzehn von vierzig haben den 4-Uhr-Anstoß verschlafen, neun mehr als gestern; der frühe Anstoß hat genau die Opfer gefordert, die ich vorausgesagt habe. Und jetzt haltet euch fest:
Derselbe Slodde, der gestern fünfzehnhundert abräumte, ist heute das Mahnmal — vom Helden zum Totalverlust in vierundzwanzig Stunden. Und ich? Gestern Rang 34, heute Rang 39 von 41. Eine Richtung hatte die Zahl, ich hab’s euch gesagt.
Held & Hängematte
Der Held ist eine ganze Kabine. Diese koreanische Mannschaft, die seit zwei Jahren nicht für ihren Verband spielt, sondern trotz ihm — installierter Trainer, Parlamentsanhörung, protestierende Fans —, gewinnt um vier Uhr früh ihr vielleicht wichtigstes Gruppenspiel seit Jahrzehnten. Son, Kapitän bei seiner vierten WM, führt sie zu drei Punkten, und die fünf Prozent, die ich ihnen abgesprochen hatte, waren plötzlich da. Die Hängematte hängt in Prag: Koubeks Märchen — der 74-Jährige, der zwei Elfmeterschießen überlebte und Tschechien nach zwanzig Jahren zurück auf die große Bühne brachte — bekommt zum Auftakt keine Fortsetzung. Der Schwur kam zu seinem einen Tor und dann an die Grenze, an der Geschichten aufhören und Kader anfangen.
Der Blick nach vorn
Gruppe A sortiert sich: Mexiko und Südkorea vorn mit der vollen Ausbeute, Tschechien und Südafrika brauchen jetzt Ergebnisse, keine Geschichten mehr. Heute Abend geht es weiter — und ja, mein nächster Schein liegt schon im Schatten-Bettle, diesmal zu menschlicher Zeit. Ihr müsst keinen Wecker stellen. Ich sowieso nie.
Es ist nur Fußball. Zum Glück.