Maschinenraum #1: Sieben Prototypen
Bettles findest du in keinem App Store. Such gar nicht erst.
Und trotzdem liegt es ab heute auf deinem Homescreen — eigenes Icon, neben WhatsApp und Insta, einmal getippt und es läuft. bettl.es auf, im Menü auf „Zum Home-Bildschirm”, fertig. Mehr App braucht der Mensch nicht.
Das nennt sich PWA. Klingt nach Pillepalle, ist aber genau die Entscheidung, ohne die das ganze Ding hier nicht ginge. Und damit sind wir unten im Maschinenraum.
Das Team bin ich
Du stellst dir hinter so ‘ner App ein Team vor, ne? Kickertisch, zwölf Leute, die jeden Morgen „agil” sind, ein Daily, in dem reihum erzählt wird, was gestern nicht fertig wurde. Schöne Vorstellung. Stimmt hier nicht.
Bettles, das bin ich. Kein Mitgründer, kein Team, kein Investor. Ein Büro hab ich, einen Schreibtisch, einen Prozess — und eine Maschine, die nicht schläft. Nur ist der Prozess keiner, den ein Scrum-Master wiedererkennen würde: von Grund auf um die Arbeit mit KI herumgebaut. Mehr Maschinenraum gibt’s nicht — das hier ist er.
Drum eine PWA. Für einen, der allein malocht, ist das die einzige Art, die Sinn macht: eine Codebasis statt drei, ein Update für alle gleichzeitig, kein Warten, bis irgendein Store-Review meine WM-Deadline absegnet. Übermorgen rollt der Ball. Da kann ich nicht aufn Haken aus Cupertino warten, ne?
Mein Standup halt ich allein vorm Spiegel. Mein Designteam heißt „ich, nach Mitternacht”. Das Produkt ist trotzdem da.
Sieben, die weiterleben
Seit 2018 häng ich an dieser Idee. Sieben Prototypen sind in der Zeit entstanden — und kein einziger war umsonst. Jeder hat was beigesteuert, das im nächsten weiterlebt: der eine die Mechanik, der nächste das Spielgefühl, der übernächste die Erkenntnis, was alles wieder weg muss. Keine Sackgassen, sondern Schichten — eine auf die andere, wie unter Tage. Die Idee musste sich erst rauskloppen.
Eins war von Anfang an klar und hat sich nie geändert: gerechter und spannender als Kicktipp. Alles andere — die Technik, die Form, sogar der Name — hat sich über die Jahre drumherum sortiert.
Version acht ist die, in der sich das endlich rund anfühlt — und die jetzt auf deinem Homescreen landet. Der Code ist neu geschrieben, diesmal mit einem Sprachmodell als Kumpel auf Nachtschicht, das um drei Uhr morgens genauso wach ist wie ich und seltener flucht. Aber die Idee dahinter ist die Essenz aus sieben Anläufen, nicht der achte Schnellschuss.
Das wär vor fünf Jahren nicht gegangen
Und ehrlich: dass das hier überhaupt klappt, haut mich heute noch um. Vor fünf Jahren hätte einer wie ich das nicht gestemmt. Punkt. Eine ganze Plattform — Quoten, Abrechnung, Login, App — das war Maloche für ein Dutzend Leute und einen Haufen Kohle. Allein, nach Feierabend, neben dem Leben? Keine Chance. Da hättste nach dem dritten Prototyp die Schippe hingeschmissen.
Heute sitzt nachts ein Werkzeug neben mir, das schneller tippt, als ich denken kann, und nicht müde wird. Das ist kein bisschen Zauberei — dazu gleich mehr — aber es verschiebt, was ein einzelner Mensch noch bauen kann. Und das ist, Hand aufs Herz, das Erstaunlichste, was mir in zwanzig Jahren am Rechner untergekommen ist.
Solide gebaut, nicht zusammengeschustert
Und damit kein falscher Eindruck entsteht: Das hier ist nicht mit Spucke und Draht zusammengehalten. Im Gegenteil — es ist die sauberste Codebasis, die ich je abgeliefert hab. Sie läuft hochverfügbar auf Kubernetes: fällt ein Knoten weg, übernimmt der nächste, ohne dass du was merkst. 200 Leute gleichzeitig? Frühstückt das Ding locker ab — und gebaut ist es, um weit darüber hinaus zu wachsen.
Kostenpunkt: 70 Tacken im Monat. Kein Serverpark, kein Rechenzentrum, keine Kohle, die für nichts verbrennt. Genau das ist der Witz an der ganzen Sache: Was früher ein Team und eine fette Infrastruktur-Rechnung gebraucht hätte, steht heute solide, günstig und skalierbar da — von einem aufgebaut.
„Mit KI gebaut” heißt nicht „von allein”
Trotzdem, bevor’s einer für mich verklärt: Eine KI baut dir kein Produkt. Sie tippt schneller, sie kennt mehr Wege, sie ist nachts noch da. Aber sie haut dir auch mal kompletten Quatsch hin, mit beneidenswertem Selbstvertrauen — und den muss dann doch wieder ein Mensch rausschmeißen. Was sie vorschlägt, geht durch meine Hände, bevor es in die Codebasis darf — nicht andersrum.
„Mit KI gebaut” heißt eben nicht „von selbst”. Es heißt: doppelt so schnell malochen, halb so viel pennen, und am Ende jede Zeile selbst verantwortet.
Aber genau das ist der Punkt dieser Serie. Ich verkauf dir keine Plattform, auf der angeblich nie was schiefgeht. Ich bau eine, bei der du mir glaubst, wenn ich sag, dass was funktioniert — weil ich hier auch sag, was noch nicht.
Was noch fehlt: der Feinschliff
Das Fundament steht. Was fehlt, sind die letzten zehn Prozent — der Feinschliff, der ein gutes Produkt von einem runden trennt. Auf meinem Zettel steht noch einiges:
- Die Abrechnung am Spielende ist das Herzstück, und da sitzen die letzten Sonderfälle. Abbruch, Verlängerung, Elfmeterschießen — jede Regel will hundertprozentig sauber sitzen, bevor sie auf echte Einsätze trifft.
- An den Rändern darf die Oberfläche noch runder werden. Hier ein Ladezustand, der schöner aufgeht, da ein Knopf, der besser sitzt.
- Hier und da fehlt noch ein erklärender Satz, ein Weg durch die App, der sich von selbst versteht.
Nichts davon hält dich vom Spielen ab. Aber ich sag dir lieber selbst, wo noch Feinschliff fehlt, als dass du’s findest.
Warum das geht — und warum’s trotzdem hart ist
Wofür andere eine Series A, zwölf Leute und drei Dailies am Tag brauchen, reicht hier einer, der das ganze Ding im Kopf hat, und eine Maschine, die schneller tippt, als ein Komitee Workshops ansetzen kann. Entscheidungen, für die woanders ein Sprint draufgeht, fallen hier in Sekunden. Bettles ist nicht trotz der Ein-Mann-Bude gut geworden. Es ist es deswegen.
Und trotzdem — leicht ist es nicht. Ein-Mann-Bude heißt auch: kein Kumpel, der mitfängt, wenn um zwei Uhr was umkippt. Keiner, der sagt „Schicht im Schacht für heute”. Der ganze Hype um „KI baut jetzt alles allein” verschweigt den Teil, in dem du der einzige bist, der das Ganze trägt — die Entscheidung, den Fehler, die Nacht davor. Die Maschine ist nachts da. Wach bleiben muss ich.
Im Maschinenraum erzähl ich dir nach und nach, wie das alles läuft. Was die sieben Prototypen mich gelehrt haben. Wo die KI brillant war und wo sie mich fast inn Graben gefahren hätte. Was Quoten im Hintergrund eigentlich anstellen. Kleine Einblicke, unregelmäßig, immer ehrlich.
Bis dahin: die App ist live, installierbar, und sie tritt gegen den Ball. Datt is, wat zählt. Glückauf.
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